Meine Heimat

Jugendverein


Der Jugendverein "Concordia" von Obercunewalde

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts konnte unser Heimatdorf Cunewalde schon auf ein recht großes Vereinsleben verweisen. So erlebte auch der ortsansässige Jugendverein "Concordia" gerade in den 1920er Jahren in Obercunewalde seine Blütezeit. Sehr beliebt unter den jugendlichen Mitgliedern war das alljährliche Königs- und Marschall-Schießen, welches immer auf dem damaligen Festplatz hinter Heymanns Gasthof stattfand. Heute ist an dieser Stelle die Firma Weniger GmbH Elektrogroßhandel.

Die männlichen Vereinsmitglieder vom Jugendverein schossen mit einer Armbrust auf einen, an einer langen Stange angebrachten, aus Holz gefertigten und buntbemalten Königsadler. In dessen Mitte befanden sich zwei viereckige, farbig gekennzeichnete Holzeinsätze. Wer diese heraus schoss, konnte dann als König bzw. Marschall gekürt werden. Der linke herausgeschossene Holzeinsatz machte den betreffenden Schützen zum König, der rechte zum Marschall. Aber auch für all die anderen Teile des Adlers, wie z.B. Federn, Kopf usw. gab es, wenn sie getroffen wurden und herunterfielen, kleine Preise. Der frisch gekürte Marschall erhielt ein größeres Erinnerungsgeschenk, der König aber bekam nach dem Schießen den Königsadler, welcher dann am Giebel seines Wohnhauses angebracht wurde.

Natürlich war dieser Adler alljährlich immer ein sehr begehrtes Objekt. Noch heute zeugen einige der Schützenadler an Giebeln alter Umgebindehäuser vom damaligen Treiben. Auch junge Mädchen, die Vereinsmitglieder waren, ermittelten in einem Wettstreit ihre Königin, bzw. Marschallin. Dieser wurde damals durch Luftgewehrschießen ausgetragen. Vor dem Schießen wurden vorjährige Könige und Marschälle in einem Festumzug mit Musik von zu Hause abgeholt und zum Festplatz geleitet. Im Festzug wurden auch immer einige kleine Holzfässchen mitgeführt, deren Inhalt natürlich oft schon während des Umzuges für reichlich Stimmung sorgte. Am Abend fand an jenen Tagen in Heymanns Gasthof stets ein Jugendball statt. Zwei Wochen später gab es dann die große Nachfeier. König und Königin sowie Marschall und Marschallin luden alle Jugendfreunde zu sich nach Hause ein. Im Garten, oder wo es sonst noch Möglichkeiten gab, um Bänke und Tische aufzustellen. Es wurde dann ein Fass Bier angestochen und kräftig nach gefeiert. Auch andere schöngeistige Getränke machten die Runde. Da nacheinander an vier Stellen gefeiert werden musste, war dies jedes Jahr eine ziemlich fröhliche Angelegenheit. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Feuerwehrkapelle, deren Mitglieder zwischen ihren musikalischen Darbietungen den Durst kräftig löschen konnten. Abends fand dann nochmals zum Abschluss in Heymanns Gasthof ein großer Jugendball statt.

Im Obercunewalder Jugendverein "Concordia" gab es auch zwei Trachtengruppen. Während eine Gruppe in Tirolertrachten auftrat, kleideten sich die Mitglieder der anderen Gruppe mit historischen Zimmermannstrachten. Sehr gerne ließ man sich damit auf Gruppenfotos ablichten. Das allerletzte Jugendschießen wurde im Jahr 1933 veranstaltet. Dann folgte die Auflösung aller Vereine dieser Art, auch die Jugendvereine im eigenständigen Cunewalde, Schönberg und Weigsdorf-Köblitz gab es ab diesem Zeitpunkt leider nicht mehr. Es blieben jedoch die wunderschönen Erinnerungsfotos.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Hellmut Schwer, Matthias Gutsche, Torsten Hohlfeld