800 Jahre Cunewalde 1222 - 2022

Volksbad


Das Cunewalder Volksbad / Erlebnisbad in Vergangenheit und Gegenwart

Lange, bevor in Cunewalde das Volksbad errichtet wurde, gingen Jung und Alt in den Sommermonaten zum Baden und Schwimmen. Man suchte die örtlichen Gewässer für den Bade- und Schwimmspaß auf. Möglichkeiten gab es mehr als genug. Und so wurde beispielsweise gebadet im Weigsdorfer Teich, im Schlosserteich, im Trutzmühlteich, im Teichmühlteich, im See von Klipphausen oder in den Teichen im Neudorf. Weiterhin waren der "Märchensee" am Herrnsberg sowie die Steinbrüche in Schönberg oder Obercunewalde beliebte Orte zum Erfrischen. Nicht zuletzt wurde der Bach, also das klare Cunewalder Wasser, besonders von den Kindern zum Baden genutzt. Badespaß in froher, einfacher Form.

Die Gedanken zum Bau eines Volksbades reichen nachweislich bis vor das Jahr 1924 zurück. Laut Protokoll vom damaligen Arbeiterzentralverein rollte ein Emil Thomas die Angelegenheit auf, während immer mehr Cunewalder Einwohner auf ihre Art eine Badestätte einforderten. Mitglieder des Vereins sollten die Erdarbeiten übernehmen. 1925 wurde beschlossen, 1000 Mark für den Bau zur Verfügung zustellen. Geplanter Standort war zwischen Teichmühlteich und Gasstation sowie der Sportplatz. Im damaligen "Erbgericht" hielten Sportler und Einwohner ihre Beratungen ab. Doch erst 1930 wurden staatliche Mittel in bescheidenem Umfang für den Badbau bewilligt. Mit Granitsteinen und dem, was verfügbar und möglich war, führten einheimische Betriebe die entprechenden Bauarbeiten durch.

Insgesamt schritt der Bau vom Volksbad trotz mancher Schwierigkeit gut voran. Der idyllische Ort war sumpfig, doch Arbeiter und Planer blieben unbeeindruckt. Zahlreiche Arbeitsleistungen wurden für 10 Pfennig je Stunde von den Sportlern und Freiwilligen ausgeführt. In wirtschaftlich schwerer Zeit wurden überwiegend örtliche Baustoffe aus den Steinbrüchen verwendet und alle am Bau beteiligten Firmen (Tiefbau Neitsch, Fa. Große, Zimmerei Rätze) waren aus Cunewalde. Die Einweihung fand am 17. Juli 1931 statt. Es war ein verregneter und recht trüber, aber warmer Sommertag. Dennoch waren über 500 Gäste da. Sie bestaunten nicht nur die herrliche Lage, sondern übten sich sogleich beim Ballspielen, Kunstspringen, Wettschwimmen oder beim Streckentauchen. Ein großartiges Bad war entstanden.

Erster Schwimm- und Bademeister im Volksbad war der Ofensetzer Richard Grundmann. Er ist durch seinen Einsatz für das Bad eine Art Legende geworden. Hunderte Dokumente oder Zeugnisse tragen seine Handschrift. Die Cunewalder Badestätte war mit ihrem zunächst 70 Meter durchgehenden Becken sehr beliebt. Das Nichtschwimmerbecken war seinerzeit durch einen Holzbalken begrenzt. Die gesamte Anlage war anfangs als Strandbad angelegt. Sand bedeckte den Strand am südlichen Ende und den Grund im kleinen Becken. Ein Vorwärmer sorgte dafür, dass kaltes und kristallklares Wasser leicht temperiert über eine Rinne in das Nichtschwimmerbecken geleitet wurde. So waren schon damals Wassertemperaturen bis 25°C möglich. Beste Voraussetzungen also für ein stets volles Bad.

Unser Cunewalder Volksbad war nicht nur bei Einheimischen, Gästen und Urlaubern äußerst beliebt, es hatte auch einige Attraktionen zu bieten. Bekanntestes Erkennungszeichen ist der hölzerne Sprungturm mit einer 5 Meter hohen Plattform und einem 3 Meter Sprungbrett. Das Springen von ganz oben war für jeden, der sich traute, ein besonderer Reiz. Weiterhin waren die zwei Rutschen, zunächst im kleinen und später dann im großen Becken, begehrte Objekte. Erinnert werden muss auf jeden Fall an den Bademeister Norbert Grothe. Unter seiner Fuchtel spurte jedes Kind. Wenn es beim Eckhascher oder beim Massenspringen zu bunt getrieben wurde, griff er ein. Unvergessen bleiben seine Sprünge als brennende Fackel vom 5 Meter Turm. Sonst stand er am Beckenrand und verfolgte das Geschehen.

Der August 2010 wird den Cunewalder Einwohnern in trauriger Erinnerung sein. Ein Hochwasser in unvorstellbarem Ausmaß suchte unser Heimatdorf heim. Auch das Volksbad war stark betroffen. Die technischen Anlagen wurden völlig zerstört und auch die Außenflächen blieben nicht verschont. Ein Badebetrieb war unmöglich. Unter nachhaltigen Aspekten hatte sich die Gemeinde Cunewalde dazu entschieden, das Bad wiederaufzubauen. Der Schutz vor künftigem Hochwasser, Erneuerung der Technik, die Sanierung der Badelandschaft mit Solar, Umbau der Rutschen und Modernisierung des Funktionsgebäudes sorgten schließlich dafür, dass im Mai 2014 das neue und geliebte Erlebnisbad wieder für Badegäste öffnen konnte. Die Geschichte des beliebten Bades setzte sich somit fort.

Das Erlebnisbad Cunewalde punktet seit dem Jahr 2017 mit einer weiteren Besonderheit. In dem Jahr gründete sich nämlich mit dem "Förderverein Erlebnisbad Cunewalde e.V." eine rührige Truppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, durch ehrenamtliche Aktivitäten die langfristige Sicherung des Erlebnisbades als gesellschaftlichen Treffpunkt zu unterstützen. Schließlich stellt das Erlebnisbad einen großen Teil der Dorfgeschichte dar. Vieles wurde seitdem bewegt. So sind beispielsweise das Neujahrsschwimmen und der Hundebadetag zu einer Tradition geworden. Eine gemütliche Sitzgelegenheit, die Badbücherei und eine Ladestation für Fahrräder darf sich der Förderverein bereits auf seine Fahnen schreiben.

Das wohl größte Projekt vom "Förderverein Erlebnisbad Cunewalde e.V." war die Sanierung des historischen Schwimmerhäusels. Zwar etwas abseits im Bad stehend, aber geschichtlich von sehr großer Bedeutung und ein Überbleibsel aus der Entstehungszeit. Mittels Förderungen, tatkräftiger Unterstützung von Vereinsmitgliedern und Freunden des Bades sowie örtlichen Unternehmen gelang es, den historischen Barackenbau zu sanieren und zugleich eine überdachte Grill- und Picknickfläche zuschaffen. Im Jahr 2022 ist das Schwimmerhäusel schließlich fertig gestellt worden. Es wird nun für Vereinsfeiern, Klassentreffen, Grillfeste oder Schulklassen nutzbar sein. Aus dem Überbleibsel ist ein Schmuckstück geworden, welches in anschaulicher Art an die Entstehungszeit vom Bad erinnert.

Unser Cunewalder Erlebnisbad ist in seiner Geschichte zu jeder Zeit ein beliebter Treffpunkt für viele Baderatten gewesen. Doch könnte es gerade in aktueller Zeit deutlich mehr von einheimischen Gästen besucht werden. Der Teil an Cunewalder Badegästen ist, warum nun auch immer, relativ gering an der Gesamtbesucherzahl. Viele Kinder unserer Kindertagesstätten und der Grundschule kennen unser Bad nicht. Dabei ist es doch gerade in den Sommermonaten ein örtlicher Platz der Entspannung und des Badespaßes. Das Schwimmen lernen unsere Kinder nicht in der Badewanne oder im Planschbecken des Gartens daheim, sondern unter bester Anleitung des Badpersonals im Cunewalder Erlebnisbad.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Matthias Hempel, Torsten Hohlfeld