Meine Heimat

Altes Sägewerk


Das Sägewerk in Weigsdorf-Köblitz und was davon geblieben ist

Ein Großteil der Einwohner von Weigsdorf-Köblitz und sogar über die ehemalige Ortsgrenze hinaus wusste und weiß mit den Begriffen "Sägewerkkurve" oder "Bretterwand" etwas anzufangen. Beide Namen stehen in enger Verbindung mit dem ehemaligen Sägewerk nahe der Rabinke. Die Aufarbeitung war alles andere als leicht und die Geschichte ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht vollständig. Unsere Ortschronik erwähnt erstmals im Jahre 1621 die Weigsdorfer Mühle. Eine andere Recherche ergab allerdings, dass im Bautzener Mühlenregister schon 1419 eine Weigsdorfer Mühle benannt wurde. Diese Mühle muss schon in alten Zeiten eine gewisse Unabhängigkeit besessen haben, was durch wechselnde Pachtmüller belegt wird. Um 1502 hatte der Bautzener Papiermacher Volten Ochsel die Mühle und einen Teil von Weigsdorf käuflich erworben und bereits 1504 an Bautzen wieder verkauft. Ein nachgewiesener Eigentümer der Mühle war in den Jahren um 1835 Gottlieb Thonig aus Schönberg. In der Abgabenablösung von 1850 erscheint die Weigsdorfer Mühle mit dem verhältnismäßig hohen Satz von 56 Thalern, während die Köblitzer Mühle nur mit 19 Thalern aufgeführt wird. Den Hauptteil am Verdienst machte die Mühle dabei wohl mit Holz vom nahen Herrnsberg. Viel mehr ist aus dieser Zeit nicht mehr bekannt, deswegen kann zur Mühle wenig gesagt werden. Zum späteren und bekannteren Sägewerk an gleicher Stelle gibt es aber Folgendes zu berichten:

Gegründet wurde das Sägewerk im Jahre 1858 als Mangel- und Appretur-Geschäft. In einer alten Reklame aus dieser Zeit heißt es weiter: Gustav Adolf Leuner, Hobel- und Sägewerk, Kistenfabrik und Holzhandlung, Lager aller Arten Bretter, Schindel-Bretter, Latten und Pfosten, Bauholz auf Bestellung. Gustav Adolf Leuner war der Großvater von Arnd Leuner, den wir vom Cunewalder Sägewerk, der früheren Buschmühle in Klipphausen, kennen. Im weiteren Verlauf erhielt die Firmenbezeichnung den Beinamen "Gustav Kießlichs Erben". Das hing mit einer Vielzahl an Besitzern und den schwierigen Erbverhältnissen der Folgejahre zusammen. Erster Besitzer war ein Ernst Gustav Kießlich, geboren 28.06.1870 in Weigsdorf und gestorben am 27.05.1933 in Bautzen. Sein ständiger Wohnort war Oppach/Sachsen. Nach dessen Tod wechselte der gesamte Besitz an seinen Sohn Gustav Alwin Kießlich. Geboren am 29.04.1891 in Cunewalde und gestorben am 05.10.1947 in Weigsdorf-Köblitz. Gustav Alwin Kießlich übernahm alle laufenden Geschäfte des Sägewerkes vom Vater und wurde Sägewerksbesitzer. Von hier an führte er das Unternehmen bis zu seinem Tod unter der Bezeichnung "G.A. Leuner, Inhaber Gustav Kießlichs Erben, Dampfsägewerk". Nach dem Tod ging das gesamte Sägewerk als Erbe an Alwin´s Witwe, Frau Liesbet Kießlich und an die gemeinsame Tochter Regina über. Liesbet erwarb 1/4 des privaten und geschäftlichen Besitzes, Regina mit 3/4 den größeren Teil.

Doch es gab im geschäftlichen Bereich auch Erbeserben: Alwin´s Bruder Martin Kießlich sowie die Kinder Christa und Jutta. Dennoch waren Liesbet Kießlich und ihre Tochter Regina anteilsmäßige Besitzer des Sägewerkes. Liesbet führte das Unternehmen als Geschäftsführerin mit ihrem Schwager Martin Kießlich als Betriebsleiter fort. Mit immer schlechter werdenden Bilanzen und großen Verlusten, auch in der dazugehörigen Landwirtschaft, kam es zu Beginn der 1950er Jahre zum Zerwürfnis mit dem Betriebsleiter Martin Kießlich. Betroffen waren auch die Angelegenheiten in der Erbschaft. Martin ging in dieser Zeit nach Gießen in den Westteil von Deutschland. In Folge dieses Zerwürfnisses wurde eine Gesellschaft gegründet. Die Mitglieder dieser Gesellschaft waren: Liesbet Kießlich, Christa Kießlich, Jutta Kießlich (Braunschweig) sowie die DIB Deutsche Investitionsbank Berlin mit Sitz in Zittau.

Mit den immer rückläufigeren Produktionsverhältnissen und der miserablen Entlohnung der ganzen Beschäftigten war eine organisierte Arbeit nicht mehr möglich. Kündigungen von beiden Seiten waren die Folge. Daraufhin mussten Hypotheken und Darlehen aufgenommen werden, was zwangsläufig am 29.12.1961 zur Zahlungsunfähigkeit und zur Liquidation führte. Ab dem 01.01.1962 wurde die "MTS Neusalza-Spremberg" neuer Eigentümer und das Sägewerk ging zu einem Einheitswert in Höhe von 35.000 DM in Volkseigentum über. Bis zum Jahre 1997 nutzte das "VEB Motorenwerk Cunewalde" das gesamte Gelände als Lagerplatz. Einen letzten Pächter gab es noch einmal für kurze Zeit mit der "Spedition Posselt". Doch nachdem die Flut im Jahre 2010 schwere Schäden angerichtet hatte, gab dieses Unternehmen den Standort des früheren Sägewerkes auf. Die Gemeinde Cunewalde hatte ihn erworben, um dafür zu sorgen, dass Hochwasser künftig nicht mehr so viel Schäden anrichten können. Die Gebäude wurden im Jahre 2014 abgerissen. Bis auf die Tankstelle und eine Scheune direkt an der Straße wurde alles dem Erdboden gleichgemacht. Eine marode Stützmauer wurde durch eine stabile Böschung ersetzt. So bekam das Cunewalder Wasser noch mehr Platz zum Ausbreiten. Ein Teil des betonierten Geländes wurde renaturiert. Auf dem anderen Teil lagert der Bauhof historische Baustoffe, die wiederverwendet werden sollen. Zum Beispiel Granitpflaster, alte Türsturze oder Feldsteine.

Zur Geschichte der alten Mühle von Weigsdorf und dem späteren Sägewerk gehören natürlich auch einige Anmerkungen zum Inventar, den Maschinen sowie zur Landwirtschaft: Auf dem Gelände gab es eine eigene Stromerzeugung durch Wasserkraft und Generator. Zwei große Sägegatter liefen in den Hochzeiten. Rund 3 Hektar Land gehörten zum Objekt. Es waren Teile vom heutigen Kleingartenverein "Talaue" e.V. sowie einige Flächen gegenüber dem Sägewerk am Weigsdorfer Berg und am heutigen Nordhang. Die Felder wurden mit Rüben, Kartoffeln und Gras für Heu bewirtschaftet. Es wurde auch Getreide angebaut, vornehmlich Hafer für die zwei eigenen Pferde. Diese unterstützten neben den eigenen Kühen die Feldarbeit und wurden auch im Forstbetrieb eingesetzt.

Damit wäre also der Begriff "Sägewerkkurve" erklärt: Es ist die unmittelbare und recht steile Kurve unserer heutigen Dorfstraße am alten Sägewerk. Und was hat es mit der sogenannten "Bretterwand" auf sich? Nun ja, das verrät uns sehr anschaulich das alte Gemälde vom Sägewerk (siehe Foto), welches viele Jahrzehnte in der Köblitzer Schule hing und heute den Klubraum im Schulgebäude schmückt. Darauf erkennt man die hölzerne Umfriedung des gesamten Sägewerkes. Eine dichte, aus starken Brettern gezimmerte Holzwand, umgangssprachlich nur die "Bretterwand" genannt. Neben ihr führt auch heute noch ein kleiner Weg von der Rabinke hinauf zur Hauptstraße. Und wer auch immer heute diesen kleinen Weg entlang schreitet, der möge an besagter Stelle einmal kurz stehen bleiben und sich der Worte erinnern, welche von diesem geschichtlichen Abriss hängen geblieben sind.

Quellen: Heimatfreunde Weigsdorf-Köblitz, Gerd Jeschke, Jochen Wehner, Torsten Hohlfeld