Meine Heimat

Filmtheater


Das war dann mal weg: Unser geliebtes Cunewalder Kino

Der 7. Oktober 1998 ging in die Geschichte des Cunewalder Tales ein. Denn an diesem Tag fuhr die Firma Matthes & Kreusch unterhalb der Kirche schweres Gerät auf. Es schlug die letzte Stunde vom ehemaligen Kino. Und mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge werden die Cunewalder Abschied genommen haben von diesem alten Haus, welches noch viel zu erzählen gehabt hätte.

Die Ursprünge lassen sich bis in das Jahr 1801 zurückverfolgen. Seit 1842/43 stand hier "Kutschkes Restauration", eine Kombination aus Gasthof, Gesellschaftsräumen, Stallungen und Wohnraum der Inhaber. Es war eine gemütliche, rustikale und holzvertäfelte Gaststätte mit kalten und warmen Speisen zu jeder Tageszeit. Am 27. Mai 1889 stellte Johannes Carl August Kutschke einen Bauantrag für einen Saalanbau. Aus einer Akte der Amtshauptmannschaft Löbau geht hervor: "Heute ist eine Zeichnung von Gasthofbesitzer Herr J. C. August Kutschke, CatNr. 448, allhier zum Anbau zwecks Vergrößerung des Tanzsaales zur Prüfung und Begutachtung überreicht und von Kutschke um Genehmigung dieses Baues gebeten worden, was nachrichtlich bemerkt Karl Kriegel, Gemeindevorstand". Das war die Geburtsstunde jenes Gebäudes, welches später, genau ab 1934, unser Cunewalder Kino wurde.

Bis dahin war dieser Saal, vielleicht der größte des Cunewalder Tales, für Saalfeste, Theaterstücke, Tanzvergnügen, Turn- und Sportveranstaltungen, Geflügelausstellungen usw. genutzt worden. Im Jahr 1934 lief auch zum ersten Mal ein richtiger Tonfilm im Kino. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges sahen die Zuschauer vornehmlich Produktionen aus Deutschland. Auch Propagandafilme gehörten unbedingt zum regelmäßigen Programm. So war der Kinosaal beim Film "Von Königsberg bis Berchtesgaden", welchen jeder Deutsche laut Kinoplakat gesehen haben muss, 
bei allen Vorstellungen regelrecht überfüllt.

Marianne Clausnitzer ließ den Saal nach dem Kauf zum Lichtspieltheater "Schauburg" umbauen. In der DDR-Zeit blühte das Kino so richtig auf. An den Außenwänden am Eingangsbereich konnte man immer die neueste Kinowerbung ansehen. Auch die kleinen Programmhefte waren heiß begehrt. Jeder erinnert sich gern daran, wie nach dem Kauf der Eintrittskarte (Abreißkarte) an der Treppe vor dem dicken Strick gewartet werden musste. Wurde der Eintritt dann gewährt, drängelte man sich regelrecht die Treppe hinauf, um die besten Plätze zu ergattern. Sehr beliebt waren die erhöhten Logenplätze ganz hinten. Nach dem Ende einer jeden Vorstellung wurde der Saal über eine Außentreppe verlassen. Bis 1991 wurden im Cunewalder Kino viele Filme und Vorstellungen aufgeführt. Auch die Sondervorführungen oder die Jugendprogramme waren einzigartig. In Hochzeiten, zu besonderen Leinwand-Knüllern oder Filmpremieren war das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt. Wer erinnert sich nicht an die ganzen "Asterix"-Filme, an alle Teile von "Winnetou", die vielen "Otto"-Filme, alle Streiche der "Olsenbande" oder an die beliebten Märchenfilme der DEFA und aus der Sowjetunion. Herrliche Zeiten waren es.

Baufälligkeit und Einsturzgefahr, dazu fehlender Brandschutz und der schlechte Allgemeinzustand führten am Ende zur Schließung unseres Kinos. 
Im Jahre 1994 kaufte die Gemeinde das Grundstück von der Dresden-Kino GmbH und schmiedete Pläne, das gesamte Gebäude zum "Haus des Gastes" umzubauen. Bei der Erarbeitung des Projektes türmten sich allerdings Probleme über Probleme. Der modern gehaltene Anbau stieß auf den Widerstand der Denkmalschutzbehörden. Der Zuschnitt des Gesamtkomplexes brachte Schwierigkeiten in der Nutzbarkeit. Schließlich verabschiedete sich der Gemeinderat Ende 1995 von diesem Objekt und entschied sich für die damals ebenfalls leerstehende "Blaue Kugel" als Haus des Gastes. Im Jahre 1998 wurde der ehemalige Gasthofteil schließlich doch abgerissen. Innerhalb von 14 Tagen war von dem großen Bauwerk so gut wie nichts mehr übrig. Beim Abriss kam auch die ganze Problematik des Hauses ans Tageslicht: Die tragenden Steinwände waren sehr marode und letztendlich nicht mehr sanierungsfähig. Geblieben sind wieder einmal nur die vielen Erinnerungen an eine zentrale Begegnungsstätte und an ein Gebäude, in dem viele Lachmuskeln ebenso auf ihre Kosten kamen wie die ungezählten Taschentücher zum Wegwischen der Tränen.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Matthias Hempel, Torsten Hohlfeld