Meine Heimat

Rabinke


Der imposante Bereich am Weigsdorfer Teich namens Rabinke

Der wohl sehr seltene Name des Ortsteiles Rabinke stammt aus dem Obersorbischen für "Hrabinka" und heißt übersetzt Weißbuchenhain. Wohl nur deswegen, weil zu Zeiten der ersten Besiedlungen die markante Anhöhe überwiegend mit Weißbuchen bewachsen war. Heute stehen hier Nadelbäume wie Lärchen und Fichten. Die eigentliche Rabinke stellt einen warmen, nach Süden exponierten Steilhang am Durchbruch des Cunewalder Wassers zwischen der ehemaligen Ortsgrenze Weigsdorf-Köblitz zu Cunewalde und dem Bereich der ehemaligen Weigsdorfer Mühle (Sägewerk, heute Tankstelle) dar.

Der Ortsteil Weigsdorf wurde als "Wiegensdorf" erstmals im Jahre 1454 erwähnt. Es ist aber eine frühzeitlichere Besiedelung nicht auszuschließen. Bestätigte, archäologische Funde auf Hohlfelds Grundstück in den 1960er Jahren geben Hinweise darauf. So konnte unter anderem ein kleines Gefäß und ein Spinnwirtel (einfaches Werkzeug zum Verspinnen von Fasern) geborgen werden. Diese außergewöhnlichen Funde wurden von Fachleuten der Bronzezeit zugeschrieben. Andere Theorien gehen nicht so weit zurück. Es ist zu vermuten, dass die meisten der ca. 23 Häuser der Rabinke, insbesondere die am Steilhang, auf Initiative der Gutsherren von Weigsdorf entstanden. Diese Grundstücke waren landwirtschaftlich nicht nutzbar, weswegen sie kostenlos an die "Untergebenen" abgegeben wurden. Zu vermuten ist auch, dass durch das Rittergut Weigsdorf, welches eine frühere Wasserburg war, im Mittelalter der Bereich an der Rabinke umfangreiche Gewässerbaumaßnahmen erfolgten. So gehörten das Anlegen des Weigsdorfer Teiches, das Umverlegen des Cunewalder Wassers und des Teilwassers in ihren heutigen Verlauf dazu. Unsere Ortschronik erwähnt zudem erstmals im Jahre 1621 die Weigsdorfer Mühle. Eine andere Recherche ergab allerdings, dass im Bautzener Mühlenregister schon 1419 eine Weigsdorfer Mühle benannt wurde.

Sehr auffällig sind die Dichte sowie der Standort aller Häuser an der Rabinke. Oft wurden sie direkt in den aus Granit und Quarz bestehenden Hang hinein gebaut. Während anderswo im Cunewalder Tal die Gebäude beidseitig vom Wasserlauf liegen, stehen die Häuser im Bereich der Rabinke allesamt nördlich des Cunewalder Wassers bzw. der ehemaligen Bahnstrecke. Geschuldet natürlich dem angrenzenden Weigsdorfer Teich. 
Viele Häuser sind aus Feldsteinen, andere wiederum in alter Ziegelbauweise errichtet. In jedem Fall sind aber noch einige Fachwerk- bzw. Umgebindehäuser anzutreffen. Aufgrund des Verlaufes der Eisenbahnlinie Bautzen-Cunewalde-Löbau war das Erkennen der Uhrzeit bei den Anwohnern besonders ausgeprägt. Nicht nur deswegen, weil die Züge zu festen Zeiten fuhren, auch weil am Teich stets das Signal zum Einfahren in den Cunewalder Bahnhof ertönte.

Die Rabinke war einst sehr belebt. Westlich stand einmal das alte Sägewerk, früher eine alte Mühle. So gab es einen Stellmacher (Richard Halank), ein Ofenbaugeschäft (Friedrich Kießlich), zwei mittelgroße Lebensmittelgeschäfte (Minna Kießlich und Guste Ender), eine Tischlerei (Walter Jeremies), auch ein Hutgeschäft (Kurt und Margarete Hauptmann), den Herrenfriseur Hübner sowie einen Uhrenmacher (Hartmut Tannert). Weiterhin verdienten sich die Leute ihr Geld als fahrende Händler. Richard Lehmann handelt zum Beispiel mit Leinöl. Im Anwesen von Hohlfelds wurde eine kleine Landwirtschaft betrieben. Auf dem Platz unterhalb von Familie Lehmann, an der Wiese von Familie Jeremies, stand sogar einmal eine alte Anschlagtafel. Heute ist dieser Platz ausgebaut, befestigt und als PKW-Stellfläche gedacht.

Nicht zuletzt erlangte dieses Gebiet auch Bekanntheit durch den 1,8 ha großen Weigsdorfer Teich. Seine Insel, auch Liebesinsel genannt, mit Brücke und Schwanenhaus, ist noch heute etwas ganz Besonderes. Manch ein Bewohner erinnert sich noch an die zahlreichen Kähne und Boote, mit denen bis in die 1960er Jahre gegondelt wurde. Auch war er schon immer ein Fischereigewässer. Das Abfischen war jedes Mal ein großes Erlebnis, ebenso das seltene Entschlammen des Weigsdorfer Teiches. Dieser ruhige und beschauliche Fleck von Weigsdorf hatte zu jeder Zeit seine Reize. Auf zahlreichen Postkarten, vornehmlich aus der Zeit von 1890 bis 1970, ist mancher Panoramablick der Rabinke abgebildet. Geologisch betrachtet muss unbedingt der sogenannte Cunewalder Quarzgang Erwähnung finden, der an der Rabinke beginnt und sich nachweislich bis zum Weinberg erstreckt.

Einmal nur, dafür in voller Härte, traf es die Rabinke und ihre Anwohner richtig hart: Im Jahre 2010 schlug die Natur in einem bisher ungeahnten Umfang zu, man sprach sogar von einem 200-jährigen Hochwasser. Jeder hat noch diese unfassbaren Bilder vor seinen Augen. Das Cunewalder Wasser und das Teilwasser holten sich nach langen, harten Regengüssen und aus allen Nähten platzend ihren alten Verlauf zurück. Der gesamte Bereich zwischen dem Weigsdorfer Schloss, dem Weigsdorfer Teich, der Rabinke und dem Sägewerk glich einer einzigen, durchgängigen Seenlandschaft. Die Schäden an Gebäuden, Brücken, Straßen, Wegen, Grundstücken, Bachläufen und deren Ufern sowie am Teich waren unvorstellbar groß. Dieser Katastrophe fiel sogar ein Haus zum Opfer, Haus-Nr. 5 (Familie Jeremies) musste abgerissen werden. Andere Gebäude waren für einige Zeit unbewohnbar.

Doch es wurde nicht resigniert. Unter Belastungen und Entbehrungen aller Anwohner, aber mit Mut, Hoffnung und Können vieler Entscheidungsträger, konnte der gesamte Bereich unserer Rabinke wieder instand gesetzt werden. Allein der Ersatzneubau der Straßenbrücke zur Rabinke, welche im April 2019 feierlich bei einem Brückenfest eingeweiht wurde, kostete rund 443.110 Euro. Eine Investition, welche unsere Rabinke nur noch lebenswerter macht und den Zusammenhalt aller hier lebenden Anwohner stärken wird. Eines noch wäre bei aller Aufarbeitung zu diesem Thema besonders wichtig: Nämlich, dass auch nachfolgende Generationen eine Antwort auf die Frage bekämen, was es denn mit dem Namen Rabinke eigentlich auf sich hat. Denn ihre Geschichte ist ohne Zweifel einzigartig.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Manfred Jeremies, Jochen Spiegel, Torsten Hohlfeld