Meine Heimat

Kurt Schöne


In dankbarer Erinnerung an einen großen Cunewalder Chronisten

Sehr oft sitzen wir still und ahnungslos vor dem geschichtlichen Werk und Schaffen eines Menschen, ohne genau zu wissen, wen wir es eigentlich zu verdanken haben. Dabei ist doch sein großer und hinterlassener Schatz für uns und unser Cunewalder Tal schier unermesslich. Hier soll nun der Lebensweg nachgezeichnet werden, den dieser ganz besondere Mann gegangen ist.

Kurt Schöne wurde am 28. März 1904 in Ottendorf bei Sebnitz als Sohn eines Lebensmittelhändlers geboren. Er wuchs unter 6 Geschwistern auf. Nach dem Besuch der Volksschule erhielt er bis 1925 seine Ausbildung im Lehrerseminar in Löbau. Am 01. April 1928 trat er in Obercunewalde in den Schuldienst ein. Seitdem lebte er mit seiner Familie bis zu seinem Tode im Jahre 1976 in dem ihm zur Heimat gewordenen Cunewalder Tal. Kurt Schöne war während seines ganzen Lebens rastlos schaffend, ein Heimatfreund und Naturforscher, ein Geschichtsforscher und auch Chronist. Über die Grenzen unseres Ortes bekannt, verehrt und geachtet. Eine außerordentliche Begabung befähigte ihn, mit gutem Erfolg seinen Lehrerberuf auszuüben und darüber hinaus auf vielen Gebieten tätig zu sein, so als Schriftsteller der Cunewalder Heimatnachrichten, einer Monatsbeilage der vom Cunewalder Verlag Gerlach herausgegebenen Czorneboh- und Bielebohzeitung. Diese Aufgabe erfüllte er von 1932 bis zu seiner Einberufung zur Wehrmacht im Jahre 1939. Viele Veröffentlichungen stammen aus seiner Feder, darunter heimatgeschichtliche Beiträge, die noch heute von großem Wert sind. Weiterhin eine Anzahl von Gedichten, welche die Schönheit und Einmaligkeit unserer Heimat beschrieben. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass er auch für den hiesigen Sport ein Herz hatte. Ab 1932 leitete er ehrenamtlich die Kindergruppe des Deutschen Turnvereins Obercunewalde, welche auch von ihm gegründet wurde. Diese Gruppe zählte zeitweilig bis zu 140 Kinder. Ab dem Jahre 1937 kam eine neue Aufgabe auf unseren Kurt Schöne zu. Er wurde mit der Leitung der Schule in Mittelcunewalde betraut.

Nachdem er zweimal an militärischen Übungen teilgenommen hatte, war er bereits am 01. September 1939 zur Wehrmacht eingezogen worden. Er erlitt am 08. Mai 1940 eine schwere Verwundung infolge eines Lungenschusses, die einen längeren Lazarettaufenthalt erforderlich machte. Danach war er nur noch bedingt einsatzfähig, so zum Beispiel als Ausbildungsoffizier. Entsprechend den damals geltenden Bestimmungen konnte Kurt Schöne nach 1945 zunächst seinen Lehrerberuf nicht wieder ausüben. Aber man wusste in Cunewalde über seine pädagogischen Fähigkeiten und betraute ihn damit, in der neu entstandenen Betriebsberufsschule des Motorenwerkes den Unterricht mit zu gestalten. Das war in den Jahren von 1951 bis 1953. Ab dem 15. April 1953 konnte er aufgrund einer Sonderregelung wieder in den Schuldienst der Heinrich-Heine-Schule von Mittelcunewalde eintreten. Im schon "gehobenen" Alter von über 50 Jahren nahm er es noch einmal auf sich, ein dreijähriges Fernstudium zur Erreichung des Befähigungsnachweises als Oberstufenlehrer zu absolvieren.

Kurt Schönes Wirken blieb nicht ohne Echo. So schrieb die "Neue Zeit" am 27. März 1954 aus Anlass des 50. Geburtstages in einem von Herbert Merkner verfassten Beitrag: „Selbst mit zahlreichen und heimatkundlichen Arbeiten hervorgetreten, verstand es Kurt Schöne, die Cunewalder Heimatbeilage, welche er fast ein Jahrzehnt redigierte, zu einer auch noch heute wertvollen Sammlung der Heimatforschung und Heimatkunde zu gestalten. Auch der Heimatdichtung ließ er in reichem Maße das Wort. So finden sich in diesen Blättern wissenswerte Darstellungen über das Schaffen und Leben des großen Obercunewalders Wilhelm von Polenz, wie sie kaum anderen Ortes einmal veröffentlicht wurden. Kurt Schönes Arbeit blieb auch frei von aller Krähwinkelengstirnigkeit, wie sie sehr leicht in einem solchen Falle eintreten kann. Im Gegenteil, er betrachtete die Geschichte seiner Heimat mit reichlich kritischen Blicken. So forschte er gewissenhaft nach den Untertanenverhältnissen aus längst vergangenen Zeiten und legte als Ergebnis sehr beachtliche Darstellungen über Fronbauernpflichten und -rechte vor, die wissenschaftlichen Wert besitzen“.

Und der uns allen bekannte Mundartkünstler Herbert Andert aus Ebersbach schrieb am 28. März 1974 unter anderem: „Mit seiner Lehrtätigkeit in der Volkshochschule, seinen zahlreichen Veröffentlichungen über den Weberstreik in Cunewalde, den Fröneraufruhr in Halbau, über unbequeme Probleme der Urlauberbetreuung, über die Pilzberatung und nicht zuletzt über Wilhelm von Polenz, den bekannten Dichter unserer Oberlausitz, hat er einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der Geschichte unseres Kreises geleistet. Auch seine Tätigkeiten als Ortsbibliothekar und als Kreisbeauftragter für Pilzberatung verdienen es, hervorgehoben zu werden. Darüber hinaus bemüht sich Kurt Schöne, der übrigens auch ein Mitbegründer der "Cunewalder Nuußhacksche" war, um die Pflege mundartlicher Kulturgüter und unterstützt die Arbeitsberatungen der Volkskunstgruppen und Mundartdichter im Kreisgebiet“.

Kurt Schöne absolvierte in diesen Jahrzehnten ein großes Pensum an vorwiegend ehrenamtlicher Arbeit. Man muss sich im Nachhinein fragen, wie er das alles geschafft hat. Hier wird seine Auffassung vom Sinn und Inhalt des Lebens auf sehr augenscheinliche Weise sichtbar: aktiv mitgestalten, rastlos mitwirken, das Leben in die Hand nehmen, die Lebenszeit nutzen und Spuren hinterlassen. Selbst der Ausbruch einer schweren Krankheit in den Jahren 1965/66 konnte ihn nicht an der weiteren Arbeit hindern. Nach Verschlechterung des Gesundheitszustandes und schlimmer Leidenszeit verstarb der verehrte Lehrer, Chronist und geachtete Mensch Kurt Schöne am 02. Januar 1976. Mehr als 300 Bürgerinnen und Bürger gaben ihm damals das letzte Geleit. Sein Schaffen wird immer unvergessen bleiben, denn wir begegnen selbigem bei jedem Blick in die Cunewalder Chronik. Die "neue", heutige Czorneboh-Bieleboh-Zeitung wird dafür bestimmt Sorge tragen, denn "Schöne Kurt" wäre einer der ersten Artikelschreiber für unser immer noch aktuelles Ortsblatt gewesen.

Das Oberlausitz-Lied von Kurt Piehler aus dem Jahre 1929 wurde übrigens durch unseren Heimatfreund und Dichter Kurt Schöne um diese Cunewalder Strophe verlängert:

Zwischen Bergen liegt es versteckt im Tal, unser Heimatdörfchen klein.
Wo der dunkle Gipfel des Czorneboh, ragend grüßt im Sonnenschein.
Wo zum Himmel strebt in der Berge Kranz, stolz der lichte Bieleboh.
Wo das Himmelszelt wie im Silberglanz, stimmt den Wand´rer im Herzen froh.
Cunewalde, geliebtes Heimatdorf, froh und glücklich machst du mich.
Gibt´s auch Dörfer schön, so viel im weiten Rund: Innig liebt mein Herz nur dich.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Matthias Hempel, Torsten Hohlfeld