Meine Heimat

Umgebindehaus 2019


Zu Besuch bei Erika Hebold in der idyllischen Scheunen-Oase

Zum Tag des offenen Umgebindehauses am Sonntag, dem 26.05.2019 schaute ich gemeinsam mit meiner Familie in der Scheunen-Oase vorbei. Zahlreich erschienen bereits die Gelegenheiten, dieses hübsche Anwesen einmal näher kennen zu lernen. Doch meistens fehlte die Zeit, der Anlass oder es gab einen anderen "wichtigen" Grund. Der 15. Tag des offenen Umgebindehauses bot sich endgültig dazu an und man darf bereits jetzt schon behaupten, es hat sich mehr als gelohnt.

Noch vor dem Eintreten ins Grundstück vernahm man bereits das laute und heftige Schlagen eines Schmiedehammers auf den Amboss. Denn Erika Hebold hatte sich für diesen Tag einen traditionellen Schmiedemeister eingeladen, der sein Handwerk dem interessierten Publikum präsentierte. Matthias Kemna aus Neugersdorf war es. Sein Stand mit allerlei Schmiedekunst bot einen wahren Schatz an handwerklichen Einzelstücken. Beeindruckend war besonders sein mobiler Schmiedeofen, in welchem der Handwerksmeister sein Eisen erhitzte, um es anschließend zu bearbeiten. Während des Schlagens und Hämmerns erfuhr ich so mancherlei Wissenswertes über dieses aussterbende Handwerk. Zum Beispiel, dass sein Familienbetrieb bereits über 125 Jahre existiert und dass Herr Kemna nur traditionell arbeitet und originales, altes Handwerkszeug benutzt. Sein Beruf ist ihm Herzenssache, das war bei jedem seiner Worte zu spüren. Wir redeten über günstig hergestellte Eisenwaren als Konkurrenz zu seinen Einzelstücken und dass sein altes Handwerk durchaus mehr als bedroht ist. Aber es war auch zu vernehmen, dass oft Besucher in seiner Neugersdorfer Schmiede ganz spezielle Unikate in Auftrag geben. Merken konnte ich mir auch, dass ein Schmied, wie er selber, keine Spezialisierung hat. Er kann demnach alles schmieden, vom Hufeisen über Kleiderhaken bis hin zu verzierten Schildern oder sogar Kronleuchtern. Der Leitspruch "Ein Amboss muss mindestens das 10fache Gewicht seines schwersten Hammers haben", beeindruckte mich ebenfalls. Sein schwerster Schmiedehammer wiegt knapp 15kg, also wog sein mobiler Amboss mindestens 150kg. Nach diesem wirklich interessanten Gespräch schaute ich noch einige Zeit beim Schlagen und Schmieden zu.

Danach besuchte ich Frau Hebold in ihrem Umgebindehaus. Dieses wurde etwa um 1760 erbaut. Das Gebäude ist ihr Elternhaus gewesen. Selber wohnt sie mit ihrem Mann nicht hier, sondern in Löbau. Aber meistens ist sie hier anzutreffen, denn Veranstaltungen, Vorführungen und Thementage gibt es hier reichlich. Auf die Frage, ob wir uns denn gleich der Führung durch das herausgeputzte Umgebindehaus anschließen wollen, antwortete ich sofort mit einem "ja". Los ging es im Obergeschoss. Anders, weil höher als üblich, empfand ich zunächst die großzügige Deckenhöhe der Räume. Kleiderschränke, aus Großmutters Zeiten natürlich, fanden problemlos Platz. In einem Gästezimmer, noch im uralten Zustand eingerichtet, erkannte man sofort die traditionellen Wände. Diese waren zwischen den Holzbalken mit Lehm verputzt und durch Kratzkämme und dergleichen mit Motiven verziert. Das sollte, so Frau Hebold, auch die damals teure und seltene Tapete imitieren. Im Verlauf des Rundganges kamen wir an vielen alten Objekten vorbei. An die alte Nähmaschine, das vollständige Spinnrad oder an die Ein-Mann-Sauna aus Holz um 1900 mit originaler Gebrauchsanweisung erinnere ich mich noch ganz genau. Ich sah das alte Zimmer, in dem Erika Hebold als kleines Mädchen schlief und kam immer wieder auch an alten Bildern und Fotos vorbei. Das Knattern der alten Holzdielen habe ich noch immer im Ohr. Auffällig war das angenehme Raumklima, welches durch die Bauweise mit traditionellen Baustoffen entsteht. Luftfeuchtigkeit und Temperatur waren äußerst angenehm.

Nach dem interessanten Rundgang gab es selbstverständlich eine Stärkung für uns alle. Würstchen, hausgemachter Kartoffelsalat und eigene Säfte mit natürlichem Geschmack waren im Angebot. Alles selber hergestellt, wie man es von Erika Hebold eigentlich gar nicht anders kennt. Und man kann es nicht oft genug erwähnen, es war alles von bester Gaumenfreude. Mit gestilltem Durst und gefülltem Bauch besichtigten wir noch die eigentliche Scheune, welche dem ganzen Objekt auch den Namen verleiht. Hier finden also immer wieder die unterschiedlichsten Veranstaltungen statt. Auf dem ausgebauten Heuboden erblickte man natürlich sofort die vorbereiteten Betten mit ausgelegtem Heu. Hier erfuhr ich beispielsweise, dass zum Übernachten das zweite Heu oder die zweite Mahd, die sogenannte "Grummet" oder "Grumt" hergenommen wird. Erfreulich, dass zunehmend auch Kinder, Familien oder ganze Schulklassen im Heu übernachten. Zum morgendlichen Waschen geht es selbstverständlich nur in die mit frischem Wasser gefüllten Zinkwannen, so wie früher.

Zum Ende des Aufenthaltes in der wunderschönen Scheunen-Oase erfreute ich mich noch an einem Film zur Geschichte der Eisenbahn im Cunewalder Tal. Werner Goldberg, ein großer Fachmann der Eisenbahn und ein Zeitzeuge der vergangenen Jahrzehnte, führte alle Zuschauer mit Fotos und bewegten Bildern in die Vergangenheit zurück. Bau der Strecke, Einweihung, Dampffahrten und natürlich auch das Ende der Bahnlinie wurden thematisiert. Das Ganze auch mit Ton hinterlegt. Wer erinnert sich nicht gern an das Pfeifen und Schnaufen der schwarzen Dampfrosse im Cunewalder Tal? Ja das waren Erinnerungen, und so manche Diskussion entbrannte im Anschluss dieser Vorführung. Rückblickend bot dieser Tag eigentlich alles, was das Cunewalder Heimatherz zum Glück benötigt: Altes, Vertrautes, Einfaches, Beständiges, Gesundes, Wissenswertes und jede Menge Unterhaltung. Ein ganz großer Dank an Erika Hebold von der Scheunen-Oase und alles Gute für die kommenden Vorhaben an diesem idyllischen Platz des Cunewalder Tales.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Erika Hebold, Torsten Hohlfeld