Meine Heimat

Erzählungen


Drei komische Herren im alten Cunewalder Volksbad

Es ist schon unzählige Jahre her, da ging ich zu vorgerückter Stunde noch einmal in unser schönes Volksbad, um mich abzukühlen und ein paar Bahnen zu schwimmen. Kurz nach dem Betreten des Bades fielen mir sofort drei Herren auf, schon leicht betagt. Sie standen lediglich bis zu ihren Hüften im kleinen Nichtschwimmerbecken und jeder der drei Herren bewegte sich auf recht merkwürdige Art und Weise. Der erste ältere Herr stemmte seinen Körper immer hoch und runter, ähnlich wie Kniebeugen. Ich habe ihn angesprochen. Auf meine Frage hin gab er zu verstehen, dass er unter Knieproblemen leide. Es täte ihm sehr gut so zu üben. Der zweite Herr stand unmittelbar daneben. Auch er stand bis zu den Hüften im Wasser. Er beugte sich immer langsam vor und zurück. Ich fragte, was er denn mache. Daraufhin sagte er, dass er unter Rückenschmerzen leide, die Übungen im Wasser täten ihm sehr gut. Eine Armlänge entfernt stand schließlich der dritte Herr, auch bis zur Hüfte im kühlen Nass. Er drehte seinen Körper im Wasser nach links und nach rechts, immer hin und her. Auch ihn habe ich gefragt, welchen Zweck das denn habe. Er sagte mit friedvollem Gesichtsausdruck, dass er massiv unter Blasenproblemen leide. Es täte sehr gut im Wasser, die Übung würde ihm dabei helfen.

Die Cunewalder Bierwette in einem Gasthaus
Eines schönen Tages kam ein Fremder in Cunewalde in ein Gasthaus und sagte: "Hey ich habe gehört, ihr Cunewalder könnt so viel trinken?" Und weiter sagte er: "Ich wette, keiner von Euch schafft 10 Halbe in 20 Minuten. Ich bezahle 500 Glocken, wenn es doch einer schafft." Bauer Hempel steht auf und sagt: "Warte kurz, ich komme gleich wieder." Er geht raus und kommt nach 15 Minuten zurück: "Ich möchte die Wette antreten", sagte Bauer Hempel durstig und überzeugt. Nach 18 Minuten hat Bauer Hempel die 10 Halben schon leer getrunken. "Wahnsinn", sagte der Fremde, "das hätte ich nie im Leben so erwartet. Aber sag mal, wo warst du denn die Viertelstunde vorher?" Darauf Bauer Hempel: "Beim Nachbarn Helmut, ausprobieren ob's auch klappt."

Eine kleine Ohrfeige gegen ortsfremdes Bier
Drei hohe Vetreter von namhaften Brauereien trafen sich in einem nahen Wirtshaus. Einer von Warsteiner, einer von Krombacher und einer unserer Cunewalder Bierbrauer. Der Vertreter von Warsteiner bestellte sich freilich Warsteiner, der Vertreter von Krombacher natürlich ein Krombacher. Unser Cunewalder Bierbrauer von der ProBierWerkstatt bestellte sich ein Wasser. Auf die Frage der beiden Vertreter von Warsteiner und Krombacher, wieso denn er nur Wasser trinke, sagte der Cunewalder Bierbrauer: "Na wenn Ihr kein Bier trinkt, dann trinke ich auch keins".

Erinnerung an das Freibier bei Wolf´s
Im Jahre 2020 wurde die Bahnhofsgaststätte in Obercunewalde abgerissen, um Platz für Neues zu erschaffen. Doch was bleiben wird, sind die vielen Erinnerungen an jenes Gasthaus, so auch diese Anekdote: Es war im Jahre 1964. Ich lernte damals im ehemaligen Motorenwerk im 2. Lehrjahr. Nach der Arbeit musste ich stets mit meinen zwei Kumpels noch eine Weile auf den Zug warten. Um die Zeit zu überbrücken, sind wir ab und zu auf ein Glas Bier in das Bahnhofsrestaurant gegangen. Wir waren oft bei "Wolf´s", zumal das Bier billig war und das hatte einen ganz bestimmten Grund. In der kalten Jahreszeit sorgte ein Ofen (eine Art Kanonenofen) im Gastraum für eine angenehme Wärme. Direkt neben dem Ofen waren die Bierkästen gestapelt. So konnte man sich ein temperiertes oder ein kaltes Bier bestellen. Neben dem Ofen saß die Oma von Wolfs und sollte aufpassen, dass sich niemand an den Kästen vergriff. Die mollige Wärme führte aber dazu, dass die Oma oft einschlief. Wir Lehrlinge, wenig Geld in den Taschen, haben die Chance genutzt und unsere leeren Bierflaschen gegen volle, vorgewärmte Flaschen ausgetauscht. Dabei sind wir sehr leise und gewissenhaft vorgegangen, damit die Oma durch das Klirren der Flaschen nicht munter wurde. Und weil damals alle Bierflaschen einen Schnappverschluss hatten, konnte man auf den ersten Blick nicht erkennen, ob die Bierflaschen im Kasten voll waren oder nicht. So haben wir unser Bierdeputat etwas aufgebessert, ohne uns finanziell zu belasten. Für unsere Jugendstreiche möchte ich mich im Nachhinein bei Frau Gundel Kindler entschuldigen. Sehr oft haben wir das nicht getan. Der Schaden blieb sicherlich gering.

Die wahre Geschichte vom Holzklau bei Schönbachs
Die frühere Gaststatte "Schönbachs" auf dem Kirchweg war eine gute Erzählerquelle. Zum einen war die Stempelstelle (Auszahlstelle des Stempelgeldes für Arbeitslose) nebenan, zum anderen gaben sich oft Trauergäste und Vereine nach Beerdigungen ein "Stelldichein". Auch Gastwirt August Schönbach, ein freundlicher, biederer und beliebter älterer Herr mit blauer Schürze, trug zur Geselligkeit bei, unter anderem mit folgender wahrer Geschichte: Schönbachs brauchten zum Erwärmen des relativ großen gemütlichen Gastzimmers, früher eine Umgebindestube mit Fensterritscheln, sehr viel Holz. Man besaß am Streitbuschweg Wald, demnach standen im Hofe mächtige Scheitelhaufen. Es fehlte aber immer wieder Holz. Mit anderen Worten, es wurde geklaut. Eines Morgens in den Wintermonaten stand die Nachbarin, schwarz im Gesicht und an der Kleidung, völlig aufgelöst in Schönbachs Flur. Schönbachs August betrachtete sich die verstörte Frau, stemmte seine Arme in die Hüfte und sagte: "Itz wees´sch, war meine Scheitl mausen tutt". Doch was war geschehen? Der Gastwirt wollte dem Spuk ein Ende bereiten und hatte einige Scheitel mit Schwarzpulver "präpariert". Doch der recht hohe Kachelofen bei Nachbars hatte die "Schwarzpulverscheitel" nicht vertragen. August Schönbach hat Nachbars Ofen zwar sofort wieder herrichten lassen, aber seit diesem Zeitpunkt fehlte an seinen Scheitelhaufen kein Holz mehr. Übrigens: Das Schwarzpulver gab es noch in den 1920er Jahren im Tante-Emma-Laden "Geyer", dem Vorläufer von "Grafs Fritz" käuflich zu erwerben.