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Bahnhofswirtschaft


Die Bahnhofswirtschaft "Zur Post" in Köblitz

Zum Ausgang des 19. Jahrhunderts hatte die Fa. Carl Kalauch mit widrigen postalischen Versandbedingungen zu kämpfen. Die Bahnstrecke von Großpostwitz nach Cunewalde war seit dem 15. September 1890 in Betrieb, aber speziell die Versendung der Textil-Fertigwaren konnte nur mit großem administrativen Aufwand organisiert werden. Auf Antrag der Fa. Carl Kalauch wurde von der Oberpostdirektion Dresden im Jahr 1896 
schließlich die Zusage für die Einrichtung einer Postagentur in Köblitz gegeben. Dies war für Carl Kalauch ein Anlass, eigenes dafür ein entsprechend großes Doppelhaus am Bahnhof Köblitz errichten zu lassen.

Bereits 1899 konnte die Postagentur ihre Arbeit im Gebäude aufnehmen. In Personalunion wurde gleichzeitig der Fahrkartenverkauf sowie der Gepäck- und Expressdienst, welche bis dato im naheliegenden Bahnwärterhäuschen untergebracht waren, neu eingerichtet. 1912 folgten alsbald im rechten unteren Gebäudeteil die baulichen Vorkehrungen wie der Toiletteneinbau für die Betreibung einer Restauration. 1914 konnte Gastwirt Wünsche in der Bahnhofswirtschaft "Zur Post" den ersten Gast begrüßen. Die Bahnhofswirtschaft "Zur Post" schloss endgültig im Jahr 1954 ihre Pforten, wobei auch schon von 1945 bis 1949 kurzzeitig der Betrieb eingestellt wurde. Insgesamt haben 6 Gastwirte (Wünsche, Kretschmer, Schulze, Robel, Köster und Propp) die Bahnhofswirtschaft betrieben. Speziell in den 30er und 40er Jahren war die Restauration ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste und Wanderer aus Bautzen. Der damals tätige Gastwirt Kurt Robel verstand es, die Bewohner aus der Stadt Bautzen anzulocken. War er doch selbst ein Bautzener, kannte also die Wünsche und Bedürfnisse der Städter sehr wohl. Oft spielte am Wochenende, für eine Bahnhofswirtschaft ungewöhnlich, eine Tanzcombo zur Unterhaltung der Gäste. Nachreden behaupten, dass Herr Robel auch für die notwendigen Damen zum Tanz und zur Unterhaltung sorgte. Nach Schließung der Bahnhofswirtschaft wurden die betreffenden Räume umgebaut und fortan als Wohnraum genutzt. Im Gebäude verblieben bis Juni 1997 die Poststelle und der Fahrkartenverkauf einschließlich Gepäck- und Expressgutdienst.

Am 31.05.1997 fuhr die letzte Bahn durch das Cunewalder Tal und somit hatte auch das Objekt am Bahnhof seinen wirtschaftlichen Nutzungszweck erfüllt. Heute dient das Gebäude ausschließlich als Wohnhaus. Zweimal, im Jahre 1921 von Kalauch an Wolf und im Jahre 2007 von Wolf an Bürger, hat der Besitzer des Hauses gewechselt. Es ist wohltuend festzustellen, dass dieses architektonisch wunderschöne Gebäude durch die Besitzer immer wieder eine geschmackvolle Werterhaltung erfuhr und somit dem Verfall nicht preisgegeben wurde.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Mathias Pech, Torsten Hohlfeld