Meine Heimat

Arno Wobst


Die Fähigkeiten und Leistungen des großen Cunewalder Mundartdichters

Geboren wurde Arno Wobst am 3. Juni 1909 in Niedercunnersdorf. Er verlebte die ersten Kindheitsjahre in seinem Geburtsort, wo er auch ab 1915 die Volksschule besuchte. Nach Beendigung seiner Schulzeit im April 1923 arbeitete er als Telefonist, Page und Liftjunge im Palast-Hotel „Weber“ in Dresden und ging dieser Beschäftigung bis Oktober 1938 nach. Am 19. August 1933 heiratete Arno Wobst in Cunewalde. Seine damalige Ehefrau Wera, geb. Petters, und er zogen in den darauffolgenden Jahren drei Söhne groß. Werner, Willfried und Frank. Letzterer verstarb bereits in jungen Jahren. Als Arno Wobst im Oktober 1938 zur Arbeit in den „Junkers-Flugzeugwerken“ in Dessau und Magdeburg (Rüstungsindustrie= zwangsverpflichtet wurde, siedelten er und seine Familie nach Sachsen-Anhalt über. Bis zum Januar 1939 absolvierte er eine Umschulung im besagten Betrieb in Dessau und arbeitete danach bis Mai 1944 als Rundschleifer im „Junkers-Werk“ von Magdeburg. Trotzdem verlor er auch in dieser schweren Zeit nie den Kontakt zu seiner geliebten Oberlausitzer Heimat. Im letzten Kriegsjahr wurde er von Magdeburg nach Ebersbach versetzt. Dort arbeitete er in einer Außenstelle der „Junkers-Werke“ (Eberwerke AG) als Einrichter und musste dort auch zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppte Zwangsarbeiter beaufsichtigen. Ab dieser Zeit wohnte Arno Wobst und seine Familie auch wieder dauernd in Cunewalde unweit der Hauptstraße in einem Umgebindehaus, in dem sich ein kleiner Gemischtwarenladen befand. Viele ältere Cunewalder können sich bestimmt noch gut an dieses kleine Geschäft erinnern, im Volksmund hieß es immer: „Mir giehn ze Groaf´s Fritze eikoofm, denn durt kriegste oalles“. Arno Wobst widmete dem damals allseit bekannten Ladeninhaber Friedrich Graf auch einige seiner Mundartgedichte. Von September 1945 bis März 1947 war er als Streckenarbeiter bei der Deutschen Reichsbahn (Bahnmeistereien Löbau und Großpostwitz) beschäftigt. Nachdem seine Ehefrau Wera im Juli 1952 viel zu früh verstarb, heiratete Arno Wobst im darauffolgenden Jahr 1953 noch einmal. Ihm und seiner zweiten Frau Brunhilde, geb. Pursche, wurde 1954 noch Sohn Michael geboren. Von 1951 bis 1975 war Arno Wobst als Rundschleifer und zuletzt als Materiallagerverwalter im VEB Motorenwerk Cunewalde tätig. In dieser Zeit sind auch einige schöne Gedichte über das damalige Arbeitsleben in diesem Betrieb entstanden, die durch seine unkomplizierte und volksnahe Ausdrucksweise sofort Anklang bei seinen Kollegen und auch bei vielen anderen Leuten in Cunewalde und Umgebung fanden. In den 1960er Jahren beteiligte er sich aktiv am Aufbau der AWG „Friedensaue“, deren schöne Reihenhäuser nach und nach in idyllischer Lage am Rande des Cunewalder Ortsteils Klipphausen entstanden. Er schaffte sich und seiner Familie so sein eigenes, gemütliches Heim. Im August 1960 war die neu entstandene Wohnung endlich fertiggestellt und Familie Wobst konnte einziehen. In dieser Zeit schrieb er einige Mundartgedichte rund um das damalige Baugeschehen. Selbst im Rentenalter gönnte er sich noch lange keine Ruhe und man sah ihn oft im „Sägewerk Leuner“ von Klipphausen mitarbeiten. Über mehrere Jahre hinweg war er halbtags dort beschäftigt und kümmerte sich vor allem um die Bearbeitung und das Abpacken von Brennholz. Von den Mitarbeitern des Betriebes wurde Arno Wobst sehr geschätzt, weil er mit viel Fleiß und Freude dieser Arbeit nachging. Seine beliebten Mundartgedichte in unserer Oberlausitzer Sprache verfasste er ab etwa 1950. Über viele Jahre hinweg bis zu seinem Rentenalter schrieb Arno Wobst in seiner volkstümlichen Art verschiedene Begebenheiten auf, die sich in unserem Cunewalder Tal und dessen Umgebung in vielen Fällen auch wirklich zugetragen haben. Durch sein feines Gespür, welches er für kuriose Ereignisse aus dem Alltag der hier lebenden Menschen entwickelte, entstanden aus seiner Feder im Laufe der Jahre schöne, humorvolle Gedichte über Land und Leute unserer schönen Oberlausitz, über deren Zusammenleben in Familie, Beruf und Freizeit sowie auch über unsere Naturschönheiten, unsere berge und Täler, Dörfer und Städte. Alle seine Werke zeigen die feste und innige Verbundenheit mit der Heimat, vor allem aber mit seinem langjährigen Wohnort Cunewalde und dessen Einwohner. Im Jahre 1967 wurde Arno Wobst dafür mit der Ehrennadel für künstlerisches Volksschaffen geehrt. Besonders zu erwähnen ist seine enge Zusammenarbeit mit der früher allseits bekannten Mundartgruppe „Die Nuußhacksche“. Viele von den älteren Bürgern aus unserem Cunewalder Tal werden sich bestimmt noch an deren Darbietungen zu zahlreichen Anlässen, wie z.B. Volks- und Betriebsfeste, erinnern können, bei denen auch Arno Wobst gern auftrat und seine Gedichte zum Besten gab. Einige Mundartgedichte von ihm, wie z.B. „Abernlasn“, „De Prämche“, „Dr Hulzwurm“ und „Mit dr zeit musste gihn“ wurden damals von Richard Lehmann, einem langjährigen Mitglied dieser sehr beliebten Mundartgruppe, als Lied vertont und waren zu vielen Anlässen und gelegenheiten unverzichtbarer Bestandteil der Programme, die von den „Nuußhackschen“ zur Aufführung gebracht wurden. In den Mundartgedichten von Arno Wobst erkennt man neben der Verbundenheit zur Oberlausitzer Heimat auch sehr deutlich, wie gut er es verstand, dem einfachen Volk sprichwörtlich „aufs Maul zu schauen“, um dies dann auch in trefflicher Art und Weise zu Papier zu bringen. Im limitierten Buch „Wobst´s Arnste sei Suhn, Arno Wobst, Gedichte in Oberlausitzer Mundart“, wurden 2006 rund 90 Gedichte zusammengetragen und veröffentlicht. Ein unglaublicher Heimatschatz, den es zu bewahren gilt. Am 19. August 1980 verstarb Arno Wobst nach einem erfüllten, arbeitsreichen und schöpferischen Leben. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof seines geliebten Heimatortes Cunewalde.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Matthias Gutsche, Matthias Hempel, Torsten Hohlfeld