Meine Heimat

Weinberg


Das Naturdenkmal Weinberg, sein Schloss und der Weinanbau

Der Weinberg ist ein Teil des sich von Ost nach West erstreckenden Quarzganges im Cunewalder Tal. Teilweise tritt das Gestein riffähnlich als Sporn mit kahlen Felsen, wie am Westhang des Weinberges, zutage. Quarzvorkommen sind bis zur Rabinke im Ortsteil Weigsdorf-Köblitz erkennbar. Tektonische Störungen führten in den langen Zeiträumen in der Granitdecke zu Spaltenbildung, in welche neben Kieselsäure auch eine Vielzahl andere chemische Verbindungen eindrangen, beispielsweise Schwefelwasserstoffe und verschiedene Oxyde. In langen mineralogischen Prozessen entstand poröses Quarzgestein, sogenanntes Zellquarz, mit nicht abbaufähigen, metallischen Verbindungen. Unser Weinberg stellt aufgrund der interessanten geologischen Zellstruktur des Cunewalder Quarzes eine Besonderheit im Oberlausitzer Bergland dar.

Der Weinberg war nachweislich bebaut. Im Jahre 1729 ließ Karl Gottlob von Ziegler und Klipphausen, Rittergutsbesitzer von Mittel- und Obercunewalde, ein Lustschloss im barocken Baustil errichten. Den Mittelpunkt des Gebäudes bildete ein herausragender Rundbau. Etwa 20m lange, wandelgangähnliche Anbauten führten nach Osten und Westen zu Pavillons. Straßen- und Terrassenbauten sowie ein am südöstlichen Fuße des Weinberges errichtetes Winzerhaus mit einem ausgemauerten Weinkeller ergänzten die umfangreiche Anlage.

Einige Jahrzehnte wurde am Südhang zum Tale hin Wein angebaut, daher auch der Name Weinberg. Im Raum Löbau nämlich galt das Cunewalder Tal als Rebengegend, wie der Bautzener Lehrer und Heimatforscher Otto Flössel vor vielen Jahrzehnten in einer Publikation feststellte. Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die ersten Weinberge angelegt. Das soll 1749 im Cunewalder Mitteldorf "auf einer wüsten Anhöhe" geschehen sein, wie Urkunden belegen. Die Reben wurden aus Böhmen eingeführt. Doch der Ertrag ließ meist zu wünschen übrig. Oft machten Fröste im Frühjahr und im Herbst den Stöcken zu schaffen, sodass mitunter höchstens "fünf bis sechs Eimer" im Jahr geerntet wurden. Letztlich lohnte der Weinanbau im Cunewalder Tal nicht, schon 1774 wurde er wieder eingestellt.

Das Schloss samt Anbauten wurde leider ein Opfer der Flammen. Im Jahre 1838 brannte das im Cunewalder Tal weithin sichtbare Bauwerk nach Blitzschlag nieder. Die verbliebene Ruine wurde abgebrochen. Die zum Teil verzierten Steine aus Granit fanden beim Bau der Blauen Kugel und der Schule in Obercunewalde ihre weitere Verwendung. Nach 1955 wurden die Reste der Grundmauern vom westlichen Pavillon saniert und eine kleine Aussichtsplattform errichtet. Ende des Jahres 2001 wurden weitere Instandhaltungsmaßnahmen, z.B. Treppenaufgang und Geländer der Plattform, durchgeführt. Damit wurde das geschichtliche Fleckchen für Wanderer und Besucher sicherer.

Heute dient das beschaulich anmutende Kleinod auf dem Weinberg als Fotokulisse für Hochzeitspaare und Austragungsort des alljährlichen Morgensingens am Pfingstmontag. Das Singen veranstalten der Volkschor Cunewalde und der Schulchor der Grundschule Friedrich Schiller gemeinsam. Leider gab der bekannte und beliebte Volkschor im Jahre 2019 sein altersbedingtes Ende bekannt. Doch die Tradition soll fortbestehen, mit Hilfe des Kinderchores und sangesfreudigen Heimatfreunden.

Fotos: Zeichnung vom Weinberg-Schloss in Cunewalde (Carl Spielwerg, 1803) sowie letzter gemeinsamer Auftritt von Volkschor und Schulchor zu Pfingsten 2019

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Matthias Hempel, Torsten Hohlfeld