Meine Heimat

Lindenallee


Die Lindenallee zwischen Obercunewalde und Halbau

Die Bewohner und Besucher unseres Cunewalder Tales benutzen heute wie selbstverständlich mit ihren Fahrzeugen die Lindenstraße S115 zwischen Obercunewalde und Halbau, um nach Löbau zu gelangen oder zum Wuischker Pass abzuzweigen. Für die älteren Einwohner und Interessierte an der Geschichte sind es aber immer noch die "Dreilinden", über die sie fahren. Der Name resultiert von drei mächtigen Linden am Abzweig der alten Wuischker Straße. Sie sollen ähnlich alt gewesen sein wie die bekannte Etagenlinde (Tanzlinde) auf dem Oberen Hof im Polenzpark, also etwa 300 Jahre.

Der erste Abschnitt dieser Straße bis zur höchsten Stelle des Feldrückens ist der bereits seit dem Mittelalter benutzte Obercunewalder Rittergutsweg in die zugehörige Feld- und Waldflur. Er begann ursprünglich direkt am Herrenhaus und führte geradlinig bis zum Abzweig "Dreilinden". Dann verlief er sich in verschiedene Richtungen bis in den Wald des Czorneboh. Seit ebenso früher Zeit führte aber auch ein Weg vom dem genannten Abzweig weiter zur Sechsstädtebund-Stadt Löbau. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Weg nach Löbau weiter ausgebaut. Unter anderem deshalb, weil um 1560 der Obercunewalder Rittergutsbesitzer von Nostitz in einem Waldaushieb am Fuße des Hochsteins die sogenannte "Halbe" anlegen ließ. Eine kleine, einfache Siedlung für Waldarbeiter mit zehn "Stellen für Großgartennahrung". Daraus entstand der heutige Ortsteil Halbau am Fuße des Hochsteins.

Die Lindenallee im Straßenverlauf vom Rittergut Obercunewalde bis an den Waldrand des Preititzer Weges entstand etwa um 1780. Wie aus einem 1920 von Erich von Polenz gemalten Pastell mit dem Abzweig "Dreilinden" ersichtlich ist, war die Anpflanzung der Linden an der nach rechts abbiegenden Straße nach Löbau aber späteren Datums, wohl aus der Zeit der Chaussierung nach 1870. Im Jahre 1874 wurde auch die Straßenführung in Obercunewalde östlich um das Rittergut herumgelegt. Die Pflasterung der "Bezirksstraße" zwischen Obercunewalde und Löbau erfolgte nach 1930. Der alte Abzweig "Dreilinden" hat nur noch lokal Bedeutung zum Erreichen des Waldes an den Elzeteichen.

Im Jahr 2021 jährte sich zum 50. Mal die letzte Abholzung der Lindenallee. Am 1. März 1971 begann das Fällen der Bäume zwischen Obercunewalde und Halbau. Die Bäume der Allee befanden sich, wie alte Aufnahmen zeigen, direkt am Straßenrand, was für den zunehmenden Verkehr auf der Straße zu einem Problem wurde. Herabfallende Äste und die Wurzeln unter der Fahrbahn sorgten dafür, dass Debatten zur Sicherheit entbrannten. Stimmen, die sich für den Erhalt der alten Allee aussprachen, hatte keine Chance. Auch deshalb, weil deren Alternativen aus Kostengründen abgelehnt wurden. So hatten die geachteten Lehrer Kurt Schöne und Christian Kutschke angeregt, die Linden auf einer Seite stehen zu lassen und die Straße südseitig zu erweitern bzw. die Straße komplett neu anzulegen. Die Gemeinde hatte kaum Mitsprache, weil hier das Straßenwesen des Bezirkes Dresden zuständig war.

Schließlich begann der Einschlag der alten, ehrwürdigen Linden. Das Holz wurde für die Herstellung von Basterzeugnissen verwendet. Die Wurzelstöcke wurden herausgesprengt, dann der Straßenkörper repariert und die durch Sprengung verursachten Löcher mit Verdichtungsmaterial verfüllt. 20 Jahre lag die Lindenallee kahl in der Landschaft, ohne einen einzigen Baum. Nach der Wende, im November 1991, ergriff die Gemeinde die Initiative, um diese klaffende Wunde zu schließen. Und so begann die Neupflanzung der Lindenallee. Im Rahmen der ABM-Maßnahme wurden 280 Linden zum Stückpreis von 35,- DM etwas abseits der Fahrbahn in den Boden gebracht. Prächtig entwickelt hat sich diese Baumstraße seither. Es ist eine Freude für alle Cunewalder, nicht nur wieder eine echte Lindenallee besitzen zu können, sondern auch von ihr, aus nordöstlicher Richtung, begrüßt zu werden.


Quellen: Ortschronik Cunewalde, Hans von Polenz, Matthias Hempel, Torsten Hohlfeld