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Autocross


Die legendäre Autocross Rennstrecke am Matschenberg

Der "Motorsportclub Oberlausitzer Bergland e.V." wurde im Jahre 1977 unter dem damaligen Namen "MC Gemeindeverband Mittellausitzer Bergland" gegründet. Gründungsmitglied und auch damaliger Vorsitzender war kein Geringerer als Sportfreund Klaus Riedel aus Dürrhennersdorf. Mit Hilfe der damals eigenständigen Gemeinden Weigsdorf-Köblitz und Cunewalde, der anfangs noch skeptischen SED Kreisleitung Löbau, der umliegenden Industrie wie dem VEB Motorenwerk Cunewalde, den Duroplastpresswerk Neusalza-Spremberg oder den Roburwerken Zittau sowie dem enormen Einsatz der damaligen Clubmitglieder, wurde eine Stecke für den Autocross errichtet. Die zu damaliger Zeit recht schnell erbaute und einzigartig in die Natur gelegte Strecke ist 820m lang, verläuft gegen den Uhrzeigersinn und besitzt einen Höhenunterschied von ca. 30m.

Der 30. September 1979 wurde zu einer gelungenen Premiere für die neu angelegte Rennstrecke am Matschenberg in Weigsdorf-Köblitz. Zum ersten Rennen überhaupt, zu Ehren des 30. Jahrestages der DDR (lt. Programmheft), wurde ein Lauf zur DDR-Meisterschaft im Autocross in der Klasse bis 600ccm und bis 1300ccm ausgetragen. Die teilnehmenden Autos waren alle noch echte Eigenbauten. Damals fanden die Trainings- und Wertungsläufe allesamt am Rennsonntag statt. Ein langes Rennwochenende wie heute gab es seinerzeit noch nicht. Bis zu 15000 Zuschauer verfolgten das 1. Rennen auf dem Matschenberg. Der "MC Gemeindeverband Mittellausitzer Bergland" ging zur Premiere mit insgesamt 5 Sportfreunden an den Start: Hagen Kaufmann, Peter Dittrich, Klaus und Manfred Riedel sowie Hartmut Kießlich. Die damaligen Lokalmatadore belegten dabei auch schon vordere Podestplätze. So gelang zum Beispiel Hagen Kaufmann (Trabant) im Lauf um die DDR-Bestenermittlung bis 600ccm ein 2. Platz. Mit diesem ersten Rennen empfahl sich der Motorsportclub für viele weitere Veranstaltungen dieser Art. Natürlich auch Dank der mühevollen Vorbereitung und Kleinarbeit sowie der Streckenpräparierung.

Beim 2. Autocross 1980 säumten bereits mehr als 20000 Zuschauer die Strecke, welche in der Vorbereitung des Rennens um sogenannte Leitplanken ergänzt wurde. Eine absolute Neuheit in der damaligen DDR. 1980 gab es auch die ersten ausländischen Fahrer. Mehrere Meldungen aus der damaligen CSSR sorgten für ein attraktives Starterfeld. Und natürlich bot das zweite Rennen am Matschenberg ebenfalls alles, was das Herz der Rennfahrer und Zuschauer höher schlagen ließ. In den Folgejahren wurde das Feld der teilnehmenden Fahrer immer größer. Neben den bislang bekannten Fahrern kamen weitere hinzu: Frank Prochno, Frank Eißler (DDR-Meister 1981), Jochen Hennersdorf, Christian Frindt, Hans-Joachim Schötz, Horst May, Holger Barth, Peter Mücke, Arnd Hornickel oder Hartmut Wiesner, um nur einige zu nennen. Insgesamt wurde das Starterfeld von Jahr zu Jahr immer größer. Und auch die Wettbewerbe nahmen zu. Es gab Läufe in der Klasse bis 600ccm, 1300ccm, 1600cmm, 3500ccm, Läufe zur DDR-Meisterschaft, Läufe um den Pokal der Freundschaft oder der Sozialistischen Länder und zugleich natürlich auch eine Nationenwertung. Dabei kämpften die Fahrer der DDR, CSSR, UdSSR, Ungarn und Bulgarien im fairen Wettstreit gegeneinander. Die immer noch größtenteils Eigenbau-Fahrzeuge liefen mit den unterschiedlichsten Motoren. So waren neben Trabant, Wartburg oder Skoda auch andere osteuropäische Marken wie Lada, Zastava oder Dacia zu sehen.

Das Rennen im Jahre 1984 hatte es auch in sich. Strömender Dauerregen machte dem Namen Matschenberg alle Ehre. Und dennoch strömten über 19000 Fans an die Strecke. Horst May wurde in einem packenden Finallauf zwar nur zweiter, gewann in der Gesamtwertung allerdings den Pokal der sozialistischen Länder. Und mit nur einem Punkt Vorsprung gewann die damalige DDR-Auswahl die Mannschaftswertung. Immer wieder erfuhr die mittlerweile zu einer festen Größe herangewachsene Rennstrecke Verbesserungen. 1984 wurde das Start- und Zielgebäude in der ersten Ausbaustufe errichtet. Später erhielt das markante Gebäude einen weiteren Aufbau sowie einen großzügigen Balkon. Im Jahre 1988 erfolgte der Bau einer Toilettenanlage für die Zuschauer. Die bekannte Boxengasse, rechts neben der Startgeraden, fiel weg. Auch das Fahrerlager wechselte mehrfach. Von der kleinen Sandgrube am Ende des Kaiserweges, auf die Wiesen in Richtung Garagen zur Matschenstraße bis zum heutigen Standort, der alten Schutthalde in Richtung des Ortsteiles Matschen.

Die politische Wende ging am Motorsportclub nicht spurlos vorbei. Der Verein gründete sich im Jahre 1990 unter dem jetzigen Namen neu, wobei die Zahl der Mitglieder zu diesem Zeitpunkt stark rückläufig war. Demzufolge natürlich auch die Zahl der aktiven Fahrer. Im selben Jahr sollte ein Autocross der besonderen Art auf dem Matschenberg stattfinden. Und zwar ein Lauf zum deutsch-deutschen Pokal in der Klasse bis 1600ccm. Karten, Plakate und Programme waren im Druck, hunderte Verantwortliche mit ihren Funktionen vertraut, Fahrer eingeladen und die Freunde des Motorsportes aus nah und fern freuten sich auf das Ereignis. Doch es kam anders. Einen Monat vor dem Termin musste das komplette 12. Autocross-Rennen auf dem Matschenberg abgesagt werden. Grund waren die nicht ausreichenden Teilnahmemeldungen von Fahrern. Trotzdem hat der Club, dank einiger vom Motorsport besessenen Mitglieder, dem späteren Vorsitzenden Rüdiger Kroschk und Mathias Klügel, nie aufgehört zu existieren und sich wieder etablieren können. Durch das Engagement des "Motorsportclub Oberlausitzer Bergland e.V." und des Bürgermeisters konnte die Rennstrecke zum Glück erhalten bleiben und bereits im Jahr 1991 wieder für ein internationales Rennen genutzt werden.

Mit der Wiedervereinigung gab es auch auf dem Gebiet des Motorsportes viele neue Richtlinien und Auflagen. Diese mussten natürlich erst einmal erfüllt und realisiert werden, um Veranstaltungen dieser Art austragen zu dürfen. Die Rennstrecke musste den Anforderungen der ONS gerecht werden. Mit viel Entbehrung und Fleiß aller Clubmitglieder und vieler ehrenamtlicher Helfer startete 1992 bereits der 1. Lauf zur Gesamtdeutschen Meisterschaft im Autocross. Ein Jahr danach konnte schon ein offenes Rennen, der Lauf um den Oberlausitzer Pokal, ausgetragen werden. 5000 begeisterte Zuschauer verfolgten mit Spannung das Rennen. Und im Jahre 1994 wurde neben dem Lauf zur Deutschen Meisterschaft auch der Lauf um den Schwabenpokal durchgeführt. Im neuen Fahrerlager wurden zusätzlich die Bedingungen für alle durch neue Strom- und Wasseranschlüsse verbessert.

Ein ganz großes Ziel war die Austragung eines Laufes zur Europameisterschaft. Die Bewerbung wurde bei der ONS (Oberste Nationale Sportkommission für den Automobilsport in Deutschland) eingereicht. Zum 18. Autocross im Jahre 1996 war der Chef des Off-Road-Ausschusses anwesend, um eine erste Eignung der Strecke zu bewerten. Es folgten viele weitere Begutachtungen und Auflagen seitens der FIA (Fédération Internationale de l’Automobile, internationaler Dachverband des Automobils bzw. der Autofahrer), die es vom Club zu erfüllen galt. So wurde die Rennstrecke insgesamt verbreitert und mit höheren Leitplanken versehen. Der Startbereich wurde umgestaltet und für die Sicherheit der Fans wurde ein Zaun errichtet. Große Unterstützung leisteten damals das Landratsamt, die kurz vor ihrer Fusion stehenden Gemeinden Cunewalde und Weigsdorf-Köblitz sowie unzählige regionale Firmen.

Der verdiente Lohn war die erfolgreiche Austragung des Laufes zur Europameisterschaft am 26./27. Juni 1999 auf der Rennstrecke am Matschenberg. Rund 8000 Besucher verfolgten die spannenden Wettkämpfe. Rennfahrer und Offizielle waren des Lobes voll über diese anspruchsvolle und technisch sehr gut präparierte Piste. Sie zählt seither zu den schönsten, interessantesten und für Zuschauer attraktivsten Strecken in Europa. Damit war der Grundstein für weitere EM-Läufe am Matschenberg gelegt. Seitdem wird jährlich neben der Deutschen Meisterschaft im Autocross das Großereignis der Europameisterschaft ausgetragen.

Immer wieder sorgten aber auch andere Attraktionen im Umfeld der etablierten Rennen für Aufsehen. Jeder erinnert sich noch gerne an die nostalgischen Trabant-Rennen oder an die Citroen 2CV bzw. Enten (erstmals 1993), die sich mehr oder weniger träge den steilen Hang hinauf quälten. Doch es gab auch Motorsport auf zwei Rädern. Von 1987 an gab es Motocross am Matschenberg. Dafür wurde die vorhandene Rennstrecke etwas angepasst und im Innenraum, wo einst noch Zuschauer standen, eine Erweiterung geschaffen. Und so fanden am ersten Maiwochenende des Jahres 1987 erstmals DDR-Jugendmeisterschaften bis 50ccm, Bezirksmeisterschaften bis 125ccm und ein offenes Rennen bis 250ccm um den Pokal des Vorsitzenden des Rates des Kreises Löbau statt. Sogar Gespanne trugen hier ihre Wettkämpfe aus. Pit Beirer, Deutscher Meister und Vizeweltmeister, war hier zu Gast.

In den folgenden Jahren wurden sowohl die Rennstrecke, als auch das Umfeld weiter optimiert. Nochmals erhielt das Start- und Zielgebäude eine Modernisierung. Mittlerweile stehen dem Publikum auch Videoleinwände zu besseren Einsicht in die Strecke zur Verfügung. Für den Streckensprecher (Lothar Eich, ab 2017 Andreas Flashar) wurde ein separates, kleines Haus am Start-Ziel-Bereich errichtet. Im Fahrerlager strahlt ein neues und modernes Sanitärgebäude mit Toiletten und Duschen. Alles Belege, dass der Matschenberg in Sachen Attraktivität keiner europäischen Strecke nachsteht. Das hochkarätige Fahrerfeld in jedem Jahr, mit weit über 100 Aktiven, bestätigt den guten Ruf dieser wunderschönen und anspruchsvollen "Matschenberg Offraod Arena", wie das Areal heute heißt.

Das Fahrerfeld ist natürlich auch ein völlig anderes. Im Jahre 2019, dem 40jährigen Jubiläum vom Autocross am Matschenberg, hatte der "Motorsportclub Oberlausitzer Bergland e.V." eine ordentliche Zahl an bekannten Namen aufzubieten: Grit Hennersdorf, Jasmin Meile, Henrik Bundesmann, Armin Pfalz, Finn-Lukas Kaiser, Robert Scholze, Robert Wiedemuth, Torsten Riedel, Marco Gührig, Andreas Langer, Tony Hoyer, Georg Hoffmann oder Martin Wagner. Heute finden pro Jahr zwei Veranstaltungen statt. Im Sommer ein Lauf zur Autocross-Europameisterschaft und im Herbst die Rennen um die Deutsche Meisterschaft sowie den Internationalen Lausitzpokal (ILP). Das alles beweist einmal mehr, dass sich der Motorsportclub jung, dynamisch und der Zukunft zugewandt zeigt. Hinzu kommt, dass die Strecke erneut bis zum Jahre 2023 eine FIA-Lizenz erhielt und damit weitere EM-Läufe garantiert.

Mitglieder und unzählige ehrenamtliche Helfer waren und sind weiterhin mit hohem Enthusiasmus dabei. Auch die vielen kleinen und großen Firmen sowie sportliche Partner der Region halten immer weiter fest zur Stange. Ohne die treuen Fans und Zuschauer an der Strecke wäre das, worauf der Verein zurückblicken kann, nicht machbar gewesen. Auch wenn die früheren fünfstelligen Zahlen an Zuschauern unerreichbar scheinen, unser Matschenberg lebt und bebt. In diesem Sinne: Sport frei.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Motorsportclub Oberlausitzer Bergland, Torsten Hohlfeld