Meine Heimat

Gebirgsverein


Der Gebirgsverein Cunewalder Tal im Lusatia-Verband

Die Geschichte des Vereins beginnt mit einer historischen Einleitung: "Ihr lieben Lusatiafreunde, lasst Euch vom Wirken und Treiben eines Brudervereins berichten und schneid` Euch anne Schniete dervo ab. Ihr hoats moanchmol o siehre nutwendch". Ja, so lautete der Beginn eines Beitrages vom damals amtierenden 1. Vorsitzenden Max Looke des Gebirgsvereins Cunewalder Tal in der Heimatzeitung "Grenzland Oberlausitz" vom 01. September 1934. Sie wurde monatlich in Reichenau, Sachsen, heutiges Bogatynia, Polen gedruckt und verlegt. Eine Sammlung der Ausgaben ist vorhanden.

Einen Tag vor Silvester, am 30. Dezember 1894, traf sich eine kleine Schar von Wander- und Gebirgsfreunden, die sich aus allen Schichten der Bevölkerung zusammengeschlossen hatte und gründete den Gebirgsverein. Erster Vorsitzender war Baumeister Max Looke. Stellvertreter war der Fabrikbesitzer Kurt Kalauch. Erster Schriftführer war Martin Tischler und den Kassenwart hatte Emil Kalauch aus Beiersdorf inne. Manch anderer Bruderverein konnte sich damals schon eine Scheibe abschneiden, wenn es um den Vergleich mit der guten Vereinsarbeit der Cunewalder ging. In seinen besten Jahren zählte der Verein bis zu 100 Mitglieder. Er war überregional vertreten und seit 1928 im Verband "Lusatia" organisiert, dem viele Gebirgs- und Heimatvereine der Oberlausitz angehörten.

Die rege Vereinsarbeit war weit über die Grenzen des Cunewalder Tals bekannt. Sie fand auch immer wieder lobende Erwähnung in zahlreichen Artikeln damaliger Zeitungen aufgrund der hervorragenden Aktivitäten der Mitglieder. So war z.B. ein Wegenetz von 30km zu betreuen. Auch manch neuer Weg wurde erschlossen, verfallene Wege repariert, Wegezeichen und Markierungsschilder ergänzt und erneuert sowie eine große Anzahl von Ruhebänken aufgestellt. Besonders erwähnenswert ist die Erschließung des Wilhelm von Polenz Wanderweges, der 1929 fertig gestellt wurde. Er führt von Halbau aus am Südhang des Hochsteins und des Steinbergs entlang zum Kammweg, welcher den Hochstein mit dem Czorneboh verbindet. Natürlich wurden auch viele Wanderungen in die Umgebung des schönen Cunewalder Tals unternommen, immer mit reger Beteiligung der Vereinsmitglieder.

Ein weiteres Feld der Betätigung war die Pflege und Erhaltung volkstümlicher Sitten und Gebräuche unserer Oberlausitzer Heimat, wie z.B. die Aufführungen der Mundartspielschar, die auch noch weit über die Grenzen unseres Tals sehr großen Anklang fanden. Erwähnt seien hier nur die Aufführungen der Mundart-Theaterstücke "Dr Grußvoater" und "Die lieben Mitmenschen" von unserem Heimatdichter Oskar Schwär zu Beginn der 30er Jahre. Sie fanden in der "Blauen Kugel" statt und zählten schon damals immer 700 - 800 Zuschauer. Auch der Mundartschwank "Kirmstgäste kumm" von Kurt Schöne im Jahre 1935 muss hier unbedingt Erwähnung finden. Eine Trachtengruppe, die vom Verein aufgestellt wurde, erfreute sich ebenfalls großer Beliebtheit. Sie nahm z.B. am Trachtenfest in Bautzen teil und hatte auch viele Auftritte bei anderen Heimat- und Volksfesten in der Umgebung.

Leider überstand dieser so erfolgreiche und gemeinnützige Verein den letzten Weltkrieg nicht. Er war nach dem Kriegsende nur noch Erinnerung und Geschichte. Dennoch muss der Endsatz des anfangs erwähnten Beitrags von Max Looke im Heimatblatt "Grenzland Oberlausitz" gehört werden, der wie folgt lautete: "Na, und das der Gebirgsverein Cunewalder Tal durch Veranstaltung von Baudenabenden und echt äberlausitzschen Durffestn die Geselligkeit und auch Freude gepflegt hat, doas brauch mer euch neugierchen Lasern ne oalls uff de Noase bind`n. Woas mer sunst machen? Kummts euch oack oasahn. Mir Cunewaaler Dickschadel heeßen euch itze herzlich willkumm".

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Matthias Gutsche, Torsten Hohlfeld