Meine Heimat

Herbert Kutschke


Ein heimatverbundener, forschender und geschätzter Cunewalder

Herbert Kutschke, geboren am 04.09.1923, war nicht nur ein heimatverbundener Cunewalder. Nein, auch ein großer Heimatforscher und Bewahrer der Oberlausitzer Volksbauweise sowie ehrenamtlicher Beauftragter für Denkmalpflege in Cunewalde. Über viele Jahre hinweg war Herbert Kutschke auch der Vorsitzende des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Ortsgruppe Cunewalder Tal. Er agierte als Mitglied des Vereins für Volksbauweise und war Initiator und Gründer des Vereins Polenzpark e.V.

Herbert Kutschke erlernte das Maurerhandwerk und gelangte über das Studium zum Bauingenieur. Lange war er erfolgreich im Bauwesen tätig. In seinem Berufsleben hat er bei der Entstehung der volkseigenen Betriebe einen großen Anteil. Seine Erfahrungen waren im Betrieb, wie auch in der Gemeinde Cunewalde, immer fördernd. Seine Interessen für die Volksbauweise, die Entwicklung der Umgebindehaus-Landschaft und das für die Oberlausitz typische Ortsbild, bleiben stets sein großer Verdienst. Gerade auch für den schönen Ort Cunewalde.

Herbert Kutschke war ein aufgeklärter Mensch mit großer Einsicht in die Probleme der Welt. Obwohl selbst nicht der Kirche angehörig, hat ihn der alte Kirchenvers "Wir bauen alle feste und sind doch fremde Gäste. Und wo wir sollen ewig sein, da bauen wir gar wenig ein". inspiriert. Er stammt aus der Lutherzeit und wurde vom evangelischen Pädagogen Michael Neander (1525-1595) verfasst. Wilhelm von Polenz hat ihn 1895 in seinem "Büttnerbauer" bei der Beschreibung einer Wohnhaustür einfließen lassen. Ein gleichlautender Spruchstein, eine alte Zaunsäule von 1808, stand bis zum Jahre 1945 im Schlosspark Obercunewalde unterhalb des Inselteiches. Nach dem Schlossabriss galt dieser Stein als verschollen. Herbert Kutschke fand diesen Stein 
nach 1991 bei Aufräumungsarbeiten im Schlosspark, umgekippt und von Gras überwachsen. Der Denkmalspfleger ließ den Stein wieder als Zaunsäule innerhalb einer ästhetisch gut gelungenen Parkgruppe mit dem granitenen Brunnentrog aufstellen.

Herbert Kutschke war ebenso mit der Restaurierung des baufälligen Gebäudes vom Ziegler-Polenz-Grufthaus auf dem Friedhof (1802) beauftragt. Diese anspruchsvollen Arbeiten zur Erneuerung waren damals in der DDR bezüglich der Organisierung von Material und Arbeitskräften ein Problem. Im Herbst 1986 wurde das wieder ansehnlich gewordene Gruftgebäude für Besichtigungen geöffnet. Im August 1993 schrieb Herbert Kutschke schließlich das Vorwort in dem vom Lusatia-Verlag herausgegebenen Dorfgeschichtenband "Luginsland". Bei Besuchen im ehemaligen Schlosspark Obercunewalde erinnern heute noch unzählige Neugestaltungen an die Bemühungen von Herbert Kutschke und der im Jahre 1992 neugegründeten Ortsgruppe des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz.

In der Nähe des wieder aufgestellten "Königstuhls" im Polenzpark hielt Herbert Kutschke am 2. Januar 1995 die Rede zur Enthüllung des von den Heimatfreunden aufgestellten Gedenksteines für Erich von Polenz (1895-1991), der sich in seinen letzten Lebensjahrzehnten in Bautzen der Erforschung unserer Cunewalder Ortsgeschichte widmete und eine ausführliche Parkbeschreibung niedergeschrieben hat. Zu erwähnen ist auch die Freilegung der alten Zugangsbrücke von der Linde her zum Herrenhaus von 1702, welche auf Anregung von Herbert Kutschke und mit der Kraft der Heimatfreunde erfolgte.

Das unermüdliche, ehrenamtliche Wirken von Herbert Kutschke bei der Erhaltung und Entwicklung der Oberlausitzer Kulturlandschaft dürfte sicherlich noch auf vielen anderen Fachgebieten zu würdigen sein. Am 18.03.2008 verstarb Herbert Kutschke. Unser ehrendes Gedenken und die Anerkennung für sein ständiges gesellschaftliches Wirken zur Erhaltung unseres Kulturerbes bleiben ihm gewiss.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Hans von Polenz, Karlheinz Müssiggang, Torsten Hohlfeld