Meine Heimat

Friedrichshof


Der Rückblick auf ein großes, markantes und gastliches Haus

Zu übersehen ist er nicht, von Halbendorf kommend linkerhand, lud der "Friedrichshof" stets mit seinem freundlichen Äußeren zu einer gemütlichen Rast ein. Doch auch wenn diese Zeiten nun der Geschichte zugeführt sind - wir nehmen jetzt ein kühles Glas in die Hand und lassen uns zusammen mit diesem geschichtlichen Rückblick ein wenig in Stimmung kommen, denn dieses Haus hat einiges zu sagen:

Über das genaue Alter des gesamten Hauses gibt es noch immer keine echten konkreten Nachweise. Dr. Erich von Polenz konnte jedoch aufgrund von Unterlagen des Domstiftes Bautzen nachvollziehen, dass der Grund und Boden zur Kirchgemeinde Cunewalde gehörte, also ein Teil des domstiftlichen Anteils war. Damit ist relativ sicher, dass es den "Friedrichshof" schon Anfang des 19. Jahrhunderts gab. Er dürfte allerdings nicht von Anfang an diesen Namen getragen haben. Er wird erst seit etwa 1911 gebraucht. Wahrscheinlich stand der Sohn des Erbauers vom neuen Gebäude als Pate bei der Namensvergabe, er hieß nämlich Friedrich. Im Jahre 1909 war das Haus als Opfer einer Brandstiftung bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Wie es vorher aussah, war sehr gut überliefert, und zwar auf einem Kachelbild des ehemaligen Besitzers, Herbert Hahmann. Der Brandstifter soll auch sofort gefasst worden sein. Gerettet wurden vor allem die eingelagerten alkoholischen Getränke. Die beteiligten vier Feuerwehren sollen nach der vergeblichen Mühe der Feuerlöschung wenigstens ihren Brand gelöscht haben. Davon wurde übrigens noch viele Jahre danach im Ort gesprochen.

Bauherrin vom Neubau war Frau Auguste Rößler, die Schwester des Besitzers der damaligen "Sachsenhöhe", Ernst Mittag. In der 1912 erschienenen Broschüre "Das Cunewalder Tal und seine Umgebung" empfiehlt der Pächter Alwin Kühnel seine stilvollen Gasträume, Zimmerreservierung, Gesellschaftszimmer, warme und kalte Speisen, bestgepflegte Biere, eigene Fleischerei sowie feine Fleisch- und Wurstwaren (siehe Reklame weiter unten). Ab dem Jahre 1932 war Friedrich Rößler der Besitzer, eben jener Friedrich, Sohn der Auguste Rößler, nach dem das Gasthaus benannt wurde. Als Auswirkung der Weltwirtschaftskrise musste er aber Konkurs anmelden. 1933 kauften Fleischermeister Traugott Mutschink und Richard Kocksch das gesamte Objekt. Ab dem Jahre 1934 war die Gaststätte an Mutschinks Schwiegersohn Richard Rabowsky verpachtet. Bis zu seinem Tode 1967 führte er das Gasthaus. Im Jahre 1955 übernahm Herbert Hahmann die Fleischerei von Traugott Mutschink. Bis 1972 bestand der Betrieb, Herbert Hahmann ging dann in die gegenüberliegende Kaufhalle.

Richard Kocksch führte bis 1943 im Gebäude ein Eisenwarengeschäft. Ab dem Jahre 1953 übernahm die HO diese Räume, Textilwaren wurden angeboten. Zu erwähnen ist auch, dass von 1952 bis 1971 der Sattler Willy Paul eine Werkstatt im Hause betrieb. Auch ein Holzrechenmacher hat zeitweilig sein Handwerk dort ausgeübt. Aber zurück zum Gasthaus. Von 1968 bis 1974 war Erna Gutsche aus Bederwitz die Pächterin der Wirtsräume. Danach kam die Ära des Konrad "Conny" Schöpcke und dessen Frau als Wirtsleute über einen HO-Kommissionsvertrag. Bei ihm war lange Zeit eine gewisse Martha Hörenz von der Rabinke als Kellnerin beschäftigt. 
"Conny" war auch bekannt als der Kneiper vom Gasthaus Reck in Schönberg. Ab Mai 1991 hatte dann Familie Pursche die Gaststätte gepachtet. Hagen Pursche war mit Leib und Seele ein Kneiper. Aber auch diese Zeit war begrenzt. Im Oktober 1993 war das Kapitel auch schon wieder beendet und die Gaststätte dann endgültig geschlossen. Umgangssprachlich wurde die Gastlichkeit auch liebevoll "Kastanie" genannt, basierend auf einen ehemals wuchtigen Baum, der einst vor dem Gebäude stand.

Seit Januar 1995 beheimateten die Gasträume einen Blumenladen. Zunächst geführt von Bernd Herrmann, später übernommen von Gudrun Graf unter dem Namen "Blumeneck Graf". Hier konnte man alles kaufen, was mit Blumen, Pflanzen, Garten und Geschenken zu tun hatte. Jeder erinnert sich noch daran, auch an den kleinen Ofen, den Gudrun im Winter lange vor ihren Öffnungszeiten schon mit Holz und Kohlen befeuerte. Bis zum 31. Oktober 2013 allerdings nur, dann war auch damit Schluss. Seitdem stehen die alten Kneipenräume wieder leer. Nachzutragen sind jetzt nur noch der "Düfa" Farben und Tapetenladen mit Inhaber Volker Krüger und der kleine Nagelsalon Margit Ciagnisz, Nagelmodellage. Letzterer hat seine Türen im Herbst 2017 geschlossen. Heute wird das ganze Gebäude nur noch als Wohnhaus genutzt. Ja, der "Friedrichshof" könnte viel erzählen, wenn Mauern reden könnten.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Matthias Hempel, Torsten Hohlfeld