Meine Heimat

Gutsherr von Nostitz


Edelmann und Gutsherr Carl Gottlob Ferdinand von Nostitz und Rothenburg

Der Adel verpflichtet - so mancher Besitzer eines Rittergutes handelte danach, beileibe aber nicht alle. Ein Mann, dem das Gemeinwohl stets am Herzen lag, der für die Sorgen, Nöte und Kummernisse ein offenes Auge hatte, war der Gutsherr von Weigsdorf-Köblitz, Schönberg und einem Teil Halbendorfs: Carl Gottlob Ferdinand von Nostitz und Rothenburg (1763 bis 1833), königl. sächs. Hauptmann.

Von seiner Großmutter Eleonore Amalia Tugendreich von Oberland erbte der durch seine Stiftungen unvergesslich gewordene Menschenfreund im Jahre 1791 einen recht großen Besitz, der durch den von seinem Onkel Wolf Ernst von Nostitz geerbten Rittersitz Halbendorf noch größer wurde. Um 1800 gründete er die Siedlungen "Neuweigsdorf" und "Neuköblitz" (heute Ortsteil Matschen), die in erster Linie seinen Waldarbeitern zu Gute kamen. Die Siedlung im nahen Halbau, die vom Rittergut Obercunewalde schon viel früher gegründet wurde, diente dem gleichen Zweck.

Die erfolgreiche Entwicklung der genannten Orte dokumentierte die steigende Zahl der "Wirthe" zwischen 1783 und 1850: Weigsdorf von 30 auf 64, Köblitz von 21 auf 46 und Schönberg von 40 auf 71. Diese gute Entwicklung kam trotz der miserablen wirtschaftlichen Lage in Sachsen, welches an der Seite Napoleons Kriegsverlierer war, zustande. Sehr oft stellte der Gutsherr seinen Leuten kostenlos Bauland zur Verfügung. So erschien am 16. Oktober 1799 Johann George Jeschke an Gerichtsstelle und erklärte, er habe von der Herrschaft eine Baustelle unentgeltlich erhalten und ein Haus erbaut.

Nach seinem Tode am 13. Dezember 1833 fiel das gesamte Vermögen des humanistisch gesinnten, kinderlos gebliebenen Gutsherrn laut Testament an Einrichtungen des Gemeindewohls. Neben einigen Vermächtnissen (Leibesrenten und Pensionen), die im Testament genannt werden, sind es die Gemeinden zu Weigsdorf mit Köblitz und Schönbergs in barem Gelde an 1400 Thaler für die vom Erblasser gegründete Armenversorgungsanstalt, 200 Thaler Schulprämien und 2000 Thaler zur Erbauung eines Armenhause, die hier besonders Erwähnung verdienen. Sehr konkret formulierte der adlige Erblasser seinen letzten Willen: "Zur Erbin meines gesamten Vermögensnachlasses an Grundstücken, außenstehenden Forderungen, baren Geldern, Kostbarkeiten, Mobilien und sonstigen Effekten, mit alleiniger Ausnahme der Kleidungsstücken, bestimme ich die Landesschullehrer-Seminar-Anstalt Bautzen bis zur Summe von 20000 Thalern, davon 5000 Thaler Kapital zur Gewinnung eines besseren Lokals für die Anstalt, die Zinsen von 10000 Thalern Kapital zur besseren Sanierung der angestellten oder noch anzustellenden Lehrer und die Zinsen von 5000 Thalern zur Unterstützung der würdigsten Seminaristen". Im Testament wird ferner fixiert, dass die Bewilligung aus dieser Stiftung nur zum Besten wirklich hilfsbedürftiger Orte geschehen und nur an brauchbaren, durch Fleiß, Pflichttreue und Sittlichkeit sich auszeichnender Lehrer erfolgen soll. Schließlich geht es testamentarisch noch um 200 Thaler, deren jährliche Zinsen (5 von 100) zu Schulprämien für fleißige, die Kirchschule besuchende Kinder ohne Unterschied der Jurisdiktion verwendet werden. Sowie 1000 Thaler zur Fundierung eines zweiten geistlichen Amtes in Cunewalde, der Pfarrerstelle. In seinem Testament dachte von Nostitz auch an die alten und gebrechlichen Armen mit Nahrung und Arznei und an die bedürftige Schuljugend mit Kleidung, Schulbüchern und Schulgeldern. Mit ausgesetzten Legaten für die Armen konnte bald nach seinem Tode das große in Würfelform auf quadratischem Grundriss erbaute Weigsdorfer Armenhaus seiner Nutzung übergeben werden. Errichtet auf geschenktem Dominialfeld.

Reichlich 40 Jahre war Carl Gottlob Ferdinand von Nostitz und Rothenburg, dieser tüchtige und sozial engagierte Edelmann, Gutsherr auf Weigsdorf, Köblitz, Schönberg und einem Teil von Halbendorf. Viel Gutes und Nützliches schuf und hinterließ er also seinen Gemeinden. Sein edles Tun ist auch heute noch aller Ehren wert. Adel verpflichtet, war ein Leben lang Kompass und Richtschnur für sein reges, humanistisches Tun. Der nächste Besitzer des Gutes war kein geringerer als der General-Leutnant Gustav von Nostitz-Wallwitz auf Schweikertshayn. Ab dem Jahre 1839 war dieser Mann sächsischer Staats- und Kriegsminister unter König Friedrich August II.

Die beiden Bilder (aus dem Album der Rittergüter und Schlösser im Königreich Sachsen) zeigen den Gutssitz des sozial engagierten Edelmannes 
Carl Gottlob Ferdinand von Nostitz und Rothenburg.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Mathias Pech, Torsten Hohlfeld