Meine Heimat

Zeitungsverlag


Der Cunewalder Zeitungsverlag

In Cunewalde bestand einst der Zeitungsverlag Theodor Gerlach. Theodor Gerlach war aber nicht der Gründer dieses Verlages. Ursprünglich wurde in dem roten Gerlach`schen Haus eine Färberei betrieben. Die Buchdruckerei und der Zeitungsverlag sind von einem gewissen G.A. Nahrendorf im Jahre 1898 eingerichtet worden. Es war der Vorgänger von Theodor Gerlach. Nahrendorf gab die Zeitung "Neueste Nachrichten für die Oberlausitz" heraus. Diese Zeitung ist bereits in den neunziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts gegründet worden. Theodor Gerlach führte die Buchdruckerei und den Zeitungsverlag fort. Nach seinem Tode im Jahre 1919 führte seine Ehefrau Ida Gerlach, seine zweite Frau, den Betrieb weiter. Ida Gerlach hat aber in der Zeit der Inflation aus wirtschaftlichen Gründen den Zeitungskopf an den Druckereibesitzer Rudolf Schmorrde in Bernstadt verkauft. Rudolf Schmorrde gab mehrere Zeitungen in der Oberlausitz heraus, nur dass eben der lokale Teil jeweils auf die Verbreitungsorte zugeschnitten war. Der Verleger Schmorrde galt zwar als heller Kopf, hatte es aber doch versäumt, eine Klausel in den Kaufvertrag zu bringen, die der Firma Gerlach nicht gestattet hätte, eine neue Zeitung heraus zu bringen. Die Firma Gerlach Cunewalde brachte aber im Jahre 1924 eine neue Zeitung heraus, deren Name sehr prägend war und besser nicht passen konnte.

Das war die "Czorneboh- und Bieleboh-Zeitung". Die Firma Schmorrde hat diese Panne nie ganz verschmerzen können. Abonnierten doch die Cunewalder wieder ihre bodenständige Heimatzeitung. Nur ganz wenige Leser dürften der Firma Schmorrde verblieben sein. Schmorrde hatte noch längere Zeit einen Vertreter in Cunewalde als Werber für Abonnenten, Annoncen und Berichterstatter. Diese Tätigkeit wird sich allerdings kaum gelohnt haben. Die "Czorneboh- und Bieleboh-Zeitung" hatte eine Auflage von durchschnittlich 1100 bis 1200 Exemplaren. Diese Zeitung wurde in den meisten Cunewalder Haushalten, in den Nachbarorten sowie in anderen Gebieten Deutschlands gelesen, wohin es gebürtige Cunewalder verschlagen hat. In der Hitlerzeit wurden die Namen der Berge verändert. Der Czorneboh hieß jetzt Schleifberg und der Bieleboh nannte sich Huhberg. Aus diesem Grunde wurde im Jahre 1937 der Zeitungstitel in "Cunewalder Tal-Bote" umgeändert. Für die Redaktion der Zeitung war der Meister Adolf Hellner verantwortlich. Er war ein gebürtiger Kleindehsaer. Es gab außerdem noch folgende Beschäftigte: Oswald Vietze, Hermann Rätze, Max Hennig, Martin Wendler, Helmut Hempel, Kurt Weber, Martin Hempel und als Hilfsarbeiter Walter Vietze. Im Jahre 1935 übernahm Walter Gerlach die Leitung des Betriebes von seiner Mutter. Er hatte in Freital bei Dresden den Beruf des Buchdruckers erlernt. Walter Gerlach und die beiden Schwiegersöhne von Ida Gerlach sind alle drei im 2. Weltkrieg gefallen. Im Buchdruck gab es zwei getrennte Lehrberufe: Schriftsetzer und Buchdrucker. In kleinen Druckereien musste man aber beide Tätigkeiten ausüben. In der Fachsprache tragen diese zweiseitigen Kollegen die etwas sonderbare Bezeichnung "Schweizerdegen". Sie sollen in früheren Zeiten einen kurzen Degen getragen haben, wie er wohl in der Schweiz üblich war. Vier Jahre dauerte die Lehrzeit. Im Jahre 1941 musste das Heimatblatt des Cunewalder Tales ihr Erscheinen einstellen.

Ab dem 01. August 1941 erschien nur noch ein Blatt namens "Sächsischer Postillon" vom Verlag Hohlfeld und Witte aus Löbau. Dieser Zeitungsverlag hatte die "Löbauer Tageszeitung", das "Weißenberger Tageblatt" sowie den "Cunewalder Tal-Bote" in sich vereint. Der Zeitungsverlag in Cunewalde hatte damit aufgehört zu bestehen. Bis zum Kriegsende im Jahre 1945 und über die gesamte DDR-Zeit hinweg hatte Cunewalde keine eigene Heimatzeitung mehr.

Erst nach der politischen Wende im Jahre 1990 sollte es einen Neuanfang geben. Am 26. Juni 1990 war es endlich soweit: Es erschien die 1. Ausgabe der neuen "Czorneboh-Bieleboh-Zeitung". Das einmal im Monat erscheinende Heimatblatt ist seitdem ein sehr zuverlässiger und treuer Begleiter der meisten Cunewalder Einwohner. Die Auflage liegt bei 1800 Stück. Mit Höhen und Tiefen bleibt unsere Heimatzeitung bis heute bestehen. Auch die 2017 eingetretene Insolvenz des Druckhauses und der Wechsel zu einem neuen Verleger in Bautzen verhinderten das Erscheinen der Zeitung nicht. Dem verantwortlichen Redakteur Matthias Hempel und der Gemeindeverwaltung Cunewalde sei Dank.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Matthias Hempel, Torsten Hohlfeld