Meine Heimat

Wilhelm von Polenz


Ein großer, gesellschaftskritischer Schriftsteller und Diener unserer Heimat

Der berühmte Sohn unseres Heimatortes, Wilhelm Christoph Wolf von Polenz, wurde am 14. Januar 1861 auf dem Rittergut zu Obercunewalde als 1. Sohn (weitere 3 Geschwister) geboren. Der Geburt und Abstammung nach gehörte er dem sächsischen Landadel an. Seine Eltern waren der Kammerherr und Klostervogt Julius Curt von Polenz (1828-1900) und dessen Ehefrau Agnes Clara von Wechmar (1831-1900). Schon als junger Schüler zeigte Wilhelm, wie er nur kurz genannt wurde, große geistige Regsamkeit. Bis zu seinem 10. Lebensjahr genoss er die Erziehung durch Hauslehrer und erfuhr diese später auch in einem evangelischen Pfarrhaus in der Nähe von Dresden. Anschließend besuchte er das Vitzthum`sche Gymnasium in Dresden, in welchem er 1882 sein Abitur machte. Im Folgejahr leistete er als Freiwilliger bei den Gardereitern in Dresden seine Militärzeit ab und wurde 1883 Rittmeister.

Danach begann die Studienzeit. Zunächst mit Jura in Breslau, Leipzig und Berlin. Nach seiner Referendarzeit in Dresden begann er ein erneutes Studium der Geschichte in Berlin und Freiburg. Während dieser Zeit gewann Wilhelm von Polenz die Erkenntnis, dass in den Erscheinungen des alltäglichen Lebens viel Schönheit steckt, die es allemal lohnt, im Kunstwerk wiederzugeben. Kein Wunder daher auch, dass sich dadurch bei ihm die aktuellen sozialen Probleme jener Zeit geradezu aufdrängten. Im Jahre 1888 heiratete Wilhelm in London die bürgerliche Engländerin Emilie Beatrice Robinson (1869-1947), mit welcher er 2 Töchter und 2 Söhne großzieht. Marie-Helene von Polenz (1890-1947) und Ernestine Clara Beatrice von Polenz (1896-1984) sowie 
Wilhelm Erich Benno von Polenz (1895-1991) und Georg Hellmut von Polenz (1891-1938). Wenig später kommt er endgültig in die heimatliche Oberlausitz zurück, um hier als Landwirt tätig zu sein und zugleich die Feder für ein reiches und rühriges dichterisches Schaffen zu ergreifen.

Sein erstes Werk, ein Roman von 1890, war "Sühne". Doch Ausruhen galt nicht. Der aufstrebende Wilhelm dachte nicht im Geringsten daran, sich vom Leben seiner lieben Dorfgemeinde oder seines Heimatkreises abzuwenden. Bekannte und Heimatfreunde wählten ihn in eine Reihe von Ausschüssen. Auch Versammlungen von Arbeitern besuchte er. Zunächst besitzt er im Jahre 1891 noch ein Gut im Nachbarort Lauba. Im Jahre 1894 schließlich übernimmt Wilhelm den väterlichen Besitz des Rittergutes von Obercunewalde. Seine große Zeit als Gutsherr und Schriftsteller beginnt ab diesem Zeitpunkt. Im Jahre 1893 erscheint sein Werk "Der Pfarrer von Breitendorf". 1895 gelingt Wilhelm von Polenz der wohl beste und berühmteste Wurf. Sein bedeutender Roman "Der Büttnerbauer" erscheint zunächst in einer Auflage von 50 Stück. Darin schildert der Dichter den Niedergang des Dorfes und die Zerstörung von unzähligen Bauernwirtschaften durch die große Überschwemmung des deutschen Marktes mit amerikanischem Getreide und Fleisch. Dieses Werk fand sehr schnell eine weite Verbreitung und brachte großen künstlerischen Ruhm ein. Ein Meisterwerk bis in die heutige Zeit hinein.

Stattlich ist die weitere Reihe der Werke von Polenz. Größte dichterische Energien fanden ihren literarischen Niederschlag. "Der Grabenhäger" (1897), "Thekla Lüdekind" (1899), "Luginsland. Dorfgeschichten" (1901) sowie sein letzter Roman "Wurzellocker" (1902) seien kurz erwähnt. Seine Anzahl an Romanen, Novellen und Gedichten sind ein freudiges Bekenntnis zur Heimat. Volkskunde war ihm immer bedeutungsvoll, und Heimatschutz war Herzenssache. Wilhelm pflegte in dieser Zeit auch schriftliche Kontakte zu namhaften Personen. Lange Schriftwechsel mit Theodor Fontane, Lew Nikolajewitsch Graf Tolstoi oder Gerhart Hauptmann sind überliefert. Zahlreiche Reisen unternahm der erfolgreiche Dichter. Unter anderem gab es Aufenthalte in München, Berlin und im Jahre 1902 eine mehrmonatige Reise durch die USA, die er im Erlebnisbericht "Das Land der Zukunft" verarbeitete.

Doch das Schaffen des begabten Heimatdichters nahm ein viel zu frühes Ende. Ein zeitiger Tod riss Wilhelm von Polenz aus seinem eifrigen und künstlerischen Leben. Am 13. November 1903 erlag er im Alter von nur 42 Jahren im Stadtkrankenhaus zu Bautzen einem Krebsleiden. In seinem heiß geliebten Heimattal, auf dem Kirchhof zu Cunewalde, wurde er in heimatlicher Erde beigesetzt. Im südlichen Park von Obercunewalde, seiner großen Wirkungsstätte, steht seit 1909 (einmal umgesetzt) unmittelbar an der Dorfstraße ein wuchtiger, zweiteiliger Granitblock mit einem Bronzerelief des Dichters.

Zu seinen Ehren trägt seit 1929 der Weg von Halbau zum Czorneboh die Bezeichnung "Wilhelm von Polenz Wanderweg". Weiter wurden in Cunewalde eine Schule und eine Straße nach ihm benannt. Es muss als Erweisung der Ehre angesehen werden, das Schaffen des berühmten Cunewalder Sohnes immer in Erinnerung zu behalten, seine sozialkritischen Werke zu bewahren sowie den Ort seines Wirkens, den wunderschön sanierten Polenzpark, so natürlich und sauber es geht, zu erhalten.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Familie von Polenz, Heinz Lober, Torsten Hohlfeld