Meine Heimat

Schneiderin M. Bürger


Erinnerungen an Martha Bürger, Schneidermeisterin und gute Seele

Meist waren es große und bekannte Themen wie alte Gebäude, frühere Unternehmen oder bleibende Ereignisse, welche bereits historisch aufgearbeitet wurden. Doch auch kleine, zunächst unscheinbare Dinge verdienen Aufmerksamkeit und Aufarbeitung. So wie die Geschichte der Köblitzer Frau namens Martha Bürger, vielen älteren Einwohnern noch bekannt als gutmütige und ehrgeizige Schneiderin:

Martha Bürger wurde am 26. Januar 1899 geboren. Ihren Schuleintritt feierte sie noch in der alten Schule am Weigsdorfer Teich, ehe sie 1905 in die neue, heutige Schule umzog. Nach der Schulzeit absolvierte Martha eine Schneiderlehre und krönte danach ihren erfolgreichen Abschluss mit einer Meisterausbildung. Die erste kleine Schneiderwerkstatt befand sich noch im Elternhaus in Weigsdorf-Köblitz Nr. 32, am heutigen Nordhang Nr. 9. Eine der ersten Mitarbeiterinnen war Hertha Israel, geb. Mieth. Schon damals sollte ihr kleines Unternehmen wachsen und es dauerte nicht lange, bis Martha Bürger vom Waldrand in die neue, größere Werkstatt umzog. Sie befand sich auf Kalauch´s Flurstück, hinter dem Gebäude vom heutigen Hotel "Alter Weber" (die jetzige Schwimmhalle) und wurde in den Jahren 1992/1993 abgerissen. Zum Kundenkreis der Schneidermeisterin gehörten neben einfachen Einwohnern des Ortes auch gut betuchte Leute, welche mitunter für damalige Verhältnisse hochwertige Kleider angefertigt bekamen oder ihre Garderobe aufwerten wollten. Die strebsame und eigenständige Martha Bürger musste um 1953 ihre handwerklich gefragte Arbeit nach einem Schlaganfall aufgeben. Doch sie erholte sich soweit, dass sie noch für ihre eigene Familie bis zuletzt weiternähen konnte. Das Unternehmen, in dem mittlerweile zahlreiche Näherinnen angestellt waren, wurde von Reingard Noack, geb. Berger bis 1957 weitergeführt. Im Jahre 1966 starb schließlich Martha Bürger. Einige ihrer treuen "Schneidermädels" standen fortan in der Konsumschneiderei auf der Rabinke bei "Seibt`s" unter der Leitung von Johanna Dittmann in Lohn und Brot.

Folgende Mitarbeiterinnen arbeiteten bei Martha Bürger in der Schneiderei: Reingard Noack, Helga Knerler, Else Wolf, Elisabeth Bürger, Minna Bürger, Johanna Dittmann, Gertrud Sittner, Käthe Eisold, Hannchen Schniebs, Hedwig Berger, Edith Vietze, Christa Proft, Gerda Waurich, Ruth Hindemith, Ruth Vietze, Hannelore Köhler, Inge Spitzer, Renate Probst, Erna Kutschke, Elfriede Richter, Hilde Lange und andere. Es hieß: Immer, wenn sich die "Schneidermädels" trafen, hatten sie selber genähte Kleider an, und niemals "billige" Pullover oder anderweitig gekaufte Sachen. Darauf legte man großen Wert.

Die Erinnerungen an das Wirken von Martha Bürger und ihrer fleißigen "Schneidermädels" hielten die Heimatfreunde Weigsdorf-Köblitz im August 2019 zum Tag der Oberlausitz hoch. Bei einer Ausstellung historischer Kleider samt Modenschau, durchgeführt von Kindern der Grundschule "Friedrich Schiller", wurden die einzigartigen und vielfältigen Handarbeiten der unermüdlichen Frauen liebevoll präsentiert. Dabei wurde gezeigt, wie mit einfachsten Mitteln, Fleiß und Hingabe diese Kleider erschaffen wurden. Auch Martha Bürger hätte sich darüber ganz bestimmt sehr gefreut.

Bilder: Martha Bürger vor dem Elternhaus, ihre "Schneidermädels" im Freien und Grundschüler beim Vorführen erhaltener, selber genähter Kleider

Quellen: Heimatfreunde Weigsdorf-Köblitz, Karin Neubert, Margit Pamperin, Torsten Hohlfeld