Meine Heimat

Waldesruh


Die "Waldesruh" im schönen Ortsteil Matschen von Weigsdorf-Köblitz

Das aus dem 19. Jahrhundert stammende Gasthaus ist 1904 komplett niedergebrannt. Die Feuerwehr soll sich dabei wenig um das Löschen gekümmert haben. Die Männer sollen von den alkoholischen Getränken, welche gerettet wurden, völlig betrunken gewesen sein. Vielleicht hätte sich eine Rettung des Hauses auch gar nicht gelohnt, weil der bauliche Zustand schon recht alt und schlecht war. Der Neuaufbau des Gebäudes durch Ernst Vietze war 1908 abgeschlossen und erfolgte nach damaliger Bauweise als Gasthaus mit Fremdenzimmern und einem kleinen Lebensmittelladen. 1938 wurde der Gastraum um einen Anbau erweitert, welcher auch als Vereinszimmer genutzt werden konnte. 1945 übergab der inzwischen alt geworden Ernst Vietze die gesamte Unternehmung an seinen Schwiegersohn Martin Rebsch, welcher bis dahin in Wilthen als Lehrer tätig war.

Martin Rebsch und seine Frau Marta führten bis 1968 die Gaststätte und den Lebensmittelladen auf privatwirtschaftlicher Basis. In den späten fünfziger Jahren wurde auch der Küchentrackt erweitert. Die "Waldesruh" mit ihrem wunderschönen Biergarten war eines der beliebtesten sonntäglichen Ausflugsziele der Bewohner von Cunewalde und Umgebung. Nicht zuletzt auch dem Umstand geschuldet, dass die Kinder einem Familienausflug in die "Waldesruh" nicht widersprachen, da die dortige Langbrettschaukel, heute wegen Sicherheitsvorschriften und überaus besorgter Eltern nicht mehr denkbar, eine weit bekannt Freizeitattraktion war. Nach dem Tod von Martin Rebsch kaufte die Familie Gruß aus Kleinwelka im Jahr 1970 das Anwesen. Ein lang schon gehegter Wunsch, einmal eine Gastwirtschaft betreiben zu können, sollte nun für Brigitte und Ewald Gruß in Erfüllung gehen. Mit großem Engagement und viel Liebe eröffneten sie die Gastwirtschaft im November 1970 und der gute Ruf des Hauses konnte erfolgreich fortgeführt werden. Gerade im Zeitalter der sozialistischen Mangelwirtschaft war es nicht immer einfach, alles Notwendige heranzuschaffen. Ohne persönliche Beziehungen war diese Aufgabe kaum zu meistern. Das meiste wurde von ortsansässigen Handwerksbetrieben (Fleischer, Bäcker) bezogen. Bier kam aus der Bergquellbrauerei Löbau und alkoholfreie Getränke lieferte Getränke-Schulz aus Niedercunnersdorf. Neben dem Ruf als Ausflugslokal, war selbiges vor allem auch als Stätte für größere Familienfeiern beliebt.

In einem mit Frau Brigitte Gruß geführtem Gespräch zur "Waldesruh" konnten noch folgende Randnotizen festgehalten werden, Öffnungszeiten: Montag und Dienstag war Ruhetag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 15:00 Uhr bis 22:00 Uhr, Samstag von 10:00 Uhr bis 22:00 Uhr und Sonntag von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr. Folgende Preise gab es vor der Wende: 1 Glas Bier: 0,40 M, Strammer Max: 2,60 M, Schnitzel mit Kartoffeln und Gemüse: 3,20 M, Roulade mit Kartoffeln und Rotkraut: 3,60 M, Bockwurst mit Brötchen: 0,95 M, Schabefleisch mit Butter und Brot: 3,00 M. Selbstverständlich gab es auch wöchentliche Stammtischrunden mit Skat und Knobelspielen. Die "Waldesruh" wurde bis zum 31.12.1994 von der Familie Gruß geführt.

Das gesamte Anwesen ist dann im Jahr 1995 an die Familie Linde verkauft worden. Auch die Familie Linde war angetreten, die "Waldesruh" weiter als Spezialitätengaststätte zu betreiben. Mit großem Eifer begannen sie mit den notwendigen Umbaumaßnahmen in den Sanitär- und Küchenbereichen. Jedoch haben dann überzogene behördliche Auflagen (z.B. Brandschutz im Gastraum) ihren Mut und Willen, den Gaststättenbetrieb alsbald fortzuführen, zum Erliegen gebracht. Heute dient der Familie Linde das Anwesen als Wohngebäude. Es ist natürlich angenehm zu wissen, dass dieses ehemalige Gasthaus weiterhin ein fester Bestandteil des alten "Neuweigsdorf" darstellt.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Mathias Pech, Torsten Hohlfeld