Meine Heimat

Berg Hochstein


Der Hochstein und seine interessanten Geschichten aus der Vergangenheit

Spricht man vom Ort Halbau am Hochstein, so muss man auch etwas über den Hochstein selber und seine Besonderheiten festhalten. Der Hochstein bildet mit seinen 533,1 Metern Höhe den östlichsten Eckpfeiler des Czornebohzuges, der im Westen mit dem Hromadnik beginnt. Nördlich vorgelagert und nur durch einen bewaldeten Geländesattel getrennt, befindet sich der Bergzug vom Kuppritzer Berg, Richtersberg und Schafberg. Der Gipfel des Hochsteins ist berühmt wegen seiner großen Klippen in wollsack- oder matratzenartiger Verwitterung, die eingeschmolzene Grauwackestücke enthalten. Am Südosthang dringt eine Basaltschicht durch das Granitgestein, und zwar im sogenannten "Brösels Steinbruch". Der Zweiglimmergranodiorit, aus dem der Hochstein besteht, zeigt sich auf dem Gipfel durch eine Reihe von Felstürmen, die von alten Wetterbuchen umgeben sind. Vom Gipfel ziehen sich Blockmeere den Hang hinab. Gipfelklippen und Blockhalde stehen als Naturdenkmale unter Schutz.

Der Hochstein gilt als ein bedeutendes Kulturdenkmal in der Oberlausitz. Auf dem Gipfel liegen die Reste einer mittelalterlichen Befestigung oder Wallanlage von 70 Meter Länge und viele Teile von Steinfundamenten der Anlage. In der Wallanlage vermutete Karl Benjamin Preusker im Jahre 1841 einen heidnischen Opferplatz. Archäologische Untersuchungen um 1900 erbrachten eine slawische bzw. mittelalterliche Nutzung. Die Frage nach der Funktion der Anlage blieb ungeklärt. Man findet noch zwei Steinwälle in Richtung Norden vor, die ehemals Trockenmauern mit Balkenversteifungen gewesen sein mögen. Hier führte der alte Weg von Budissin nach dem Gau Zagost vorbei, der von Wuischke aus in der Senke zwischen Hochstein und Kuppritzer Berg über das Gebirge führte. Zum Schutze dieser alten Kaufmannsstraße Bautzen - Löbau - Görlitz soll auf dem Hochstein diese Wegeburg angelegt worden sein. Ähnliche Burgwälle wie auf dem Hochstein befinden sich noch auf dem Schmoritz.

Eine volkstümliche Überlieferung spricht davon, dass sich um 1350 auf dem Hochstein einmal Raubgesellen eingenistet haben sollen. Deswegen wird der Ort auf alten Karten auch "Raubschloss" genannt. Im Sorbischen heißt es bis heute so. Diese sind dann durch Löbauer Bürger getötet und innerhalb der Steinwälle auf dem Hochstein verscharrt worden. Man spricht daher heute noch vom "Räuberfriedhof" auf dem Hochstein. Die Sage berichtet auch, das in dem großen Gipfelfelsen der "Wirkemoan" wohnt. Ein "Wirkemoan" ist ein Weber, der "wirkt" oder webt. Der "Wirkemoan" soll ein Einwohner des Tales gewesen sein, der Tag und Nacht, selbst am Sonntag gewebt hat. Er war sehr habgierig und konnte nicht genug bekommen. Zur Strafe muss er ewig auf dem Hochstein "wirken". Beim "Wirkemoan" befindet sich auch die "Pfardeschwanzfroe", also eine Frau mit Pferdeschwanz. Diese wurde deshalb auf den Hochstein verbannt, weil sie streitsüchtig und ebenso habgierig war.

Vom Gipfel des Hochsteins hat man bei gutem Wetter eine herrliche Aussicht. Im Süden kann man das Lausitzer Gebirge, den Wasserturm von Neugersdorf und die Berge Nordböhmens sehen. Man erkennt außerdem das Isergebirge und das Riesengebirge. Im Norden reicht der Blick weit in die Heide- und Teichlandschaft des Gebietes zwischen Bautzen und Hoyerswerda. Am Horizont sieht man die Essen der Braunkohlenreviere. Ein Waldweg, südlich des Hochsteingipfels von Osten nach Westen führend, hat den Namen "Kriegsweg". Auf diesem Wege sind im dritten Schlesischen Krieg, dem sogenannten "Siebenjährigen Krieg", Teile der Österreichischen Armee in die Bereitstellungsräume vor der Schlacht bei Hochkirch am 14. Oktober 1758 gezogen. Der "Pandurenweg", welcher von Klipphausen im Ort Cunewalde zum Czorneboh führt, erinnert auch noch an die damalige Kriegszeit. Nicht unerwähnt soll auch die "Polenzsche Kanzel" sein. Es war der Lieblingsplatz des Heimatdichters unserer Oberlausitz, Wilhelm von Polenz, und ist nach ihm benannt. Diese Kanzel ist ein Plateau, welches sich am Südhang des Hochsteins zwischen dem "Kriegsweg" und den Gipfelklippen befindet. Von hier aus kann man ins Tal und auch bis hin zur Lausche und dem Jeschken in Tschechien blicken. Ein weiterer Wanderweg, der von Halbau aus am Südhang vom Hochstein und des Ziegelberges bis hin zum Wuischkener Pass führt, erhielt den Namen "Polenzweg", ebenfalls zur Erinnerung an unseren bekannten Dichter.

Der Wald des Hochsteins und des westlich anschließenden Steinberges ist größtenteils Fichtenforst. Vor mehr als 200 Jahren war hier noch die Tanne vorherrschend. In den Blockmeeren des Gipfels kommen aber auch Rotbuchen und Sommerlinden vor. Es wachsen Ebereschen, Bergholunder und Alpenjohannisbeeren. Der Waldboden ist von verschiedenen Arten der Brombeere teils überwuchert. Und auch sonst ist dieses Gebiet an Pflanzen und Tieren sehr artenreich. Dies würde jedoch einen ganzen Artikel füllen. Es bleibt also festzustellen, dass der Hochstein ein schöner und interessanter Berg unserer Heimat ist. Oft unternimmt das "Äberlausitzer Kleeblatt" geführte Wanderungen zum Hochstein. Und der 1. Kleindehsaer Wanderclub veranstaltet traditionell seine Neujahrswanderung hinauf auf den Berg, an der sich zahlreiche Wanderer und Heimatfreunde beteiligen.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Familie von Polenz, Torsten Hohlfeld