Meine Heimat

Schloss Polenzpark


Der geschichtlich bedeutungsvolle Schlosspark in Obercunewalde

Nahe dem östlichen Ortseingang vom schönsten Tal der Oberlausitz befindet sich der Polenzpark in Obercunewalde. Geschwungene Wege führen durch einen teichreichen Landschaftspark, der Reste einer sogenannten "Fliehburg" aus dem 12. und 13. Jahrhundert enthält. Die frühdeutsche Wehranlage diente den Bewohnern der umliegenden Höfe in Kriegs- und Notzeiten zum Schutze. Hier befand sich die alte Hofanlage, durch Wassergraben mit Zugbrücke gesichert. Im Jahre 1702 ließ Carl Gottlob von Ziegler und Klipphausen das Wohnhaus als Schlösschen umbauen und eine zweibogige Steinbrücke errichten. Sie führte zu einer bereits vor 1700 gepflanzten "Drei-Etagen-Linde", deren untere Ebene auf Steinsäulen ruhte. Manchmal, so sagt man, wurden darauf für Feierlichkeiten starke Dielen oder Bretter ausgelegt, um darauf zu tafeln oder zu tanzen. Bildhafte Belege gibt es davon allerdings keine.

Im Laufe der Zeit wurden die Verteidigungsanlagen um den Gutshof bedeutungslos. Daher ließ man bis 1780 die Wälle einebnen, wobei der nördliche Wallbereich als "Promenade" weiter genutzt wurde. Von hier führte ein Weg in das parkartige "Gehege", dem Areal der heutigen Kleingartenanlage, in dem auch eine "Einsiedelei" als Futterplatz für Fasanen diente. Schon um 1790 soll dem Herrenhaus 
südlich ein kleiner Garten mit Küchenteich vorgelagert und im Gutsgelände ein kleiner Lustgarten mit Gartenhaus vorhanden gewesen sein. 1798 ließen die Besitzer den großen Mühl- bzw. Schlossteich anlegen. Um 1800 entstand vermutlich unter Beteiligung des Dresdner Stadtgärtners Degenhardt ein landschaftlicher Garten mit verzweigtem Wegesystem, Ziergehölzen, Schmuckbeeten und Sitzplätzen. Untergarten und Schanze mit altem Eichenbestand wurden einbezogen und zwei neue Teiche, Insel- und Schleienteich, ergänzten die übrigen Teiche zur Forellenzucht bzw. Fischhaltung. Zwischen den Resten der Wälle wurden durch Anstauen der Wassergräben weitere Teiche geschaffen. Schließlich wurde unter dem sächsischen Kammerherrn und Klostervogt von Marienthal, Julius Curt von Polenz, im Jahre 1855 das alte Schloss im neogotischen Stil umgebaut. Der südliche Garten wurde nun als "Untergarten" mit überdachtem Sitzplatz, Fontänen-Becken und wertvollen Gehölzen gestaltet. Vermutlich um 1870 entstand unter Julius Curt von Polenz der Schanzenteich, welcher der Forellenzucht dienen sollte.

Nach dem Großbrand 1877 ließ der Besitzer den neuen Gutshof nordöstlich des Schlosses errichten und an Stelle des früheren Gutshofes nordwestlich einen neuen Park nach Plänen des Hofrats und Königlich-Sächsischen Obergartendirektors J.C. Friedrich Bouché anlegen. Ende des 19. Jahrhunderts kamen so der Kleine Mühlteich, die Brückenteiche, das Schwarze Meer und der Bornteich hinzu. Die Teichkette umschließt den Polenzpark an drei Seiten und ist bis heute das prägende Merkmal des Parks. Heimische Gehölze aus dem Forst dienten der Kulissenbildung, dendrologische Besonderheiten wurden von externen Lieferanten bezogen. Die Wiesen zwischen Park und Gehege wurden zur Verbindung von Park und Landschaft bepflanzt. Bemerkenswert sind die Pflanzungen von damals modernen Rhododendron-Sorten und zahlreicher Obstgehölze im Umfeld des Schlosses.

Das Rittergut übernahm im Jahre 1894 nach dem Tod seines Vaters dessen Sohn Wilhelm von Polenz (1861-1903), der mit Zola, Tolstoi und Hauptmann befreundet war und als Anhänger des Naturalismus kritische Werke schrieb. Seit 1909 ehrt ihn ein Denkmal mit Bronzerelief des Dresdner Bildhauers Arnold Kramer. Nach dem Krieg verwilderte der Park leider. Mit dem bedauerlichen Abbruch des Schlosses 1948 / 1949 verlor er seinen gestalterischen Bezugspunkt. Um 1960 wurden Teile des Inselteiches für den Bau von Ställen verschüttet. Direkt in die nahen Parkteiche eingeführte Fäkalien schädigten den Bestand und prägende Gehölze wie z.B. der Trompetenbaum und die Traubenhortensie verschwanden. Ab 1986 kümmerten sich Ehrenamtliche um den Erhalt des Parks, darunter Herbert Kutschke und die Ortsgruppe vom Sächsischen Heimatschutz. Zudem brach im Dezember 1991 die über 300 Jahre alte "Drei-Etagen-Linde" durch starke Windeinwirkung und stürzte um.

Nach der politischen Wende wurden zwischen 1992 und 1996 Maßnahmen zur Wiederherstellung und Pflege des Parkes durchgeführt. Zum Beispiel am Eiskeller, der Bogenbrücke und an der nördlichen Schlossmauer. Die neue "Drei-Etagen-Linde" wurde nachgepflanzt. Ställe wurden beseitigt und im Jahre 2000 das Schützenvereinshaus mit erdüberdeckter Schießanlage errichtet. Historische Geräte zur Bewirtschaftung erinnern bis heute an den landwirtschaftlichen Bezug der Guts- und Parkanlage.

Die schlimmen Hochwasser der Jahre 2010 / 2013 hinterließen im Schlosspark Obercunewalde hohe Schäden an Wegen, Teichen, Durchlässen, Dämmen und Regulationseinrichtungen. Die Behebung dieser Schäden und zusätzliche hochwasservorbeugende Maßnahmen wurden ab 2015 ausgeführt. In diesem Zusammenhang erfolgte die Wiederherstellung der Parkwege, Steindecker und Wiesen sowie die Ausformung des Gehölzbestandes nach denkmalpflegerischen Forderungen. Auf einem kleinen Wegstück konnte noch Pflaster aus alten Zeiten erhalten werden. Rund 2,3 Millionen Euro flossen an Fördergeldern in die aufwendige Sanierung des Parkes. Im Bereich der alten Mühle, die heute das Lichthaus Kahl beherbergt, befinden sich weiter die beiden Gedenksteine, welche an die Herren des Schlosses, den Dichter Wilhelm von Polenz und seinen Sohn Erich von Polenz erinnern.

Bei der Parkeinweihung im Sommer 2018 war auch der Enkel des Dichters, Hans von Polenz, mit anwesend. Der jetzt in Bautzen lebende Nachkomme der Familie teilte mit den Besuchern bei einem Bürgerfest seine Erinnerungen. Und selbstverständlich ist es der große Wunsch aller Heimatfreunde und Parkbesucher, dass unser geschichtlich so bedeutungsvoller Schlosspark in Obercunewalde weiterhin erhalten bleibt. Sei es mit Hilfe eines wünschenswerten Fördervereins oder nur durch Engagement der Bürgerschaft aus Liebe zur Heimat, den Menschen und ihrer Geschichte.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Gartenkulturpfad Oberlausitz, Familie von Polenz, Torsten Hohlfeld