Meine Heimat

Flurnamen A - K


Neue und alte gebräuchliche Eigennamen bestimmter Orte und Flure

Zur Erforschung der Orts- und Heimatgeschichte gehört auch das Sammeln und Bewahren von Flurnamen. Darunter verstehen wir alle heute oder ehemals gebräuchlichen Eigennamen für jegliche Örtlichkeiten oder Geländestücke im Cunewalder Tal. Zum Beispiel für Gewässer, Wälder, Ackerflächen, Wiesen, Ansiedlungen, Dorfteile, Schanzen, Mühlen, Fabriken, Kirchen, Natur- und Kulturdenkmäler und vieles mehr. Die Bemühungen zur Bewahrung dieses alten Volksgutes sind ohne Zweifel von großer Bedeutung für die Entwicklung eines echten, verpflichtenden Heimatbewusstseins. Die Flurnamen stellen äußerst wertvolle Urkunden dar, denn es finden sich darunter Sprachdenkmäler von starkem Bildgehalt und kerniger Ausdruckskraft. Ferner bilden die alten Bezeichnungen heimatlicher Überlieferungen eine beachtliche Kraftquelle für Heimatsinn und Heimatgefühl. Leider geraten schon viele Flurnamen in Vergessenheit. Ihre Sammlung und Bewahrung darf daher nicht auf die lange Bank geschoben werden. Die Zahl der uns noch bekannten Cunewalder Flurnahmen ist immerhin noch erfreulich groß. Das mag in erster Linie mit der Größe und Geländeform unseres Heimatortes, aber auch mit seiner wechselvollen und interessanten rund 800-jährigen Geschichte zusammenhängen.

Am tollen Hund: Ein Waldstück links vom ersten Teil des Polenzparkes.

Auf Klemmsteins: Flurstücke östlich der neuen Häuser. Bauerngut eines Klemmsteines im 16. Jahrhundert, 1780 bis 1820 mit Häuslernahrung bzw. Kleingartennahrungen aufgesiedelt.

Bärs Häuser: ehemaliges Gut der Bauernfamilie Bär in Obercunewalde bis 1755. Ab etwa 1775 bis ca. 1820 wurden Baustellen mit einigen Scheffeln Land an Neusiedler verkauft. Es entstand also die Häuserzeile "Bärs Häuser", welche in Richtung Bieleboh verläuft. Seit 1985 auch Bielebohstraße.

Bärs Berg: Der Waldhang über Bärs Häuser.

Bettelsteig: Ein oft begangener Fußweg der Bettelmönche des Löbauer Franziskanerklosters von Kötschau nach dem Mönchsbusch und von da weiter nach Beiersdorf. In den 30er Jahren bereits ein ausgeschilderter Wanderweg vom Bahnhof Halbau über den schwarzen Berg, das Galgenbergel, die ehemalige "Neue Schänke" zum Bieleboh.

Bierweg: Erstreckte sich von der Niederdorfflur etwa bei der späteren Haltestelle Mittelcunewalde bis nach Neulauba. In den Jahrzehnten der Auseinandersetzungen zwischen den Gutherrschaften von Obercunewalde und Niedercunewalde wegen des Bierzwanges haben auswärtige Käufer oder Untertanen das Bier aus der Gutsbrauerei des Herrn von Ziegler auf Cunewalde vorbei an den oberdorfschen Wächtern nach Schönbach und weiter gebracht.

Blechbude: Im Volksmund üblicher Name für die "Zelluloidfwarenabrik". Ein Gebäude an dem Platze, wo bis 1907 die sogenannte Kleppermühle stand. In dieser Fabrik wurden einige Jahre Gebrauchsgegenstände aus Weißblech hergestellt.

Bleiche: Ehemals bedeutsamer Gebäudekomplex und großer Flurbereich im Oberdorf. Er stand bis zum Beginn des ersten Weltkrieges rund 185 Jahre lang.

Bleichteich: Der Teich gegenüber dem ehemaligen Gasthof "Zur Wartburg" in Obercunewalde an der ehemaligen Bleiche. Er war schon viel eher angelegt worden als die Bleicherei, von der er später den Namen bekam. Die Speisung des Teiches erfolgte durch einen schmalen Abzweiggraben des Dorfbaches.

Bleichers Schleppe: In früheren Jahrhunderten wurden gefällte Stämme vom Czorneboh nicht auf Waldwegen abgefahren, sondern auf den nach und nach entstandenen Rinnen heruntergezogen. Schleppe im Halbauer Revier unterm Hochstein. Der Name hängt vermutlich mit dem außergewöhnlich hohen Holzbedarf bei der Errichtung der Bleiche im Oberdorf zusammen.

Blumes Garten: Feldstücke des Bauern Blume in Mittelcunewalde. Sie waren oft Begräbnisstätte für die vielen Opfer der Pestjahre während des dreißigjährigen Krieges.

Bornteich: Der Teich neben dem alten Born an der Schanze. Aus dem Born schöpften noch weit nach 1900 einige Haushalte des Oberdorfes ihr Wasser.

Brettstraße: Die Bezeichnung eines offenen Feldweges von der Straßenkreuzung am "Kalkofen" herkommend. Von der Nordspitze des Geheges in westlicher Richtung fortsetzend, etwa 100m nördlich der ehemaligen Windmühle vorbeigehend und geradlinig auf die im Klipphausener Kessel liegende Buschmühle stoßend. Sie galt als erhebliche Abkürzung für die Bewohner von Obercunewalde gegenüber dem gewundenen Dorfstraßenverlauf.

Bretteich: Ein großer Teich an der scharfen Biegung der Straße am Dorfende in Obercunewalde. Auch ein Stauteich für den Mühlgraben der ehemaligen Obermühle.

Brüchrig: Das Gebiet entlang des kalten Flössels, einem durch Mitteldorf-Fluren fließenden Bachlauf, der dann ins Bad mündet. Ebenso ein Stück in der östlichen Waldflur des Oberdorfes neben dem Eintritt des am Kötschauer Westhang entspringenden Cunewalder Dorfbaches auf Obercunewalder Flur.

Buschmühle: Entstanden ist sie vermutlich noch vor der um 1680 beantragten und vom Landesherrn genehmigten Anlage der Siedlung Klipphausen. Die Mühle lag damals aufgrund der weit ins Tal vorherrschenden Bewaldung tatsächlich am Wald- bzw. Buschrand.

Butterwasser: Eine Quelle am Südhang des Hromadnik mit Mündung in den Teichmühlteich und schließlich ins Cunewalder Wasser. Angeblich wurde in diesem Wasser die zum Budissiner Markt getragene Bauernbutter noch einmal mit frischem Wasser gekühlt.

Das alte Dorf: Eine Bezeichnung für die mitten in Halbau liegende, früher unbebaute Wiese. Diese ehemalige Viehtriebe hatte alte Dorfgerechtigkeiten repräsentiert.

Dreilinden: Der Name bezeichnet den Kreuzungspunkt der drei schon im 18. Jahrhundert bepflanzten Straßen von Obercunewalde nach Halbau sowie der nach Wuischke und Sornßig führenden Straßen noch außerhalb des Waldes.

Elzebach: Der bedeutendste Nebenbach des Cunewalder Wassers. Zu Zeiten der Schneeschmelze kann die Elze den eigentlichen Dorfbach auch an Wasserfülle übertreffen. Der Name rührt zweifellos von dem Umstand her, dass das Quellgebiet seiner mehrfachen Ursprungsbachläufe in alter Zeit mit Erlen bewachsen war. Früher sagte man meist Ellern oder Elsen dazu.

Elzeberg: Ein Hügelrücken über den Elzeteichen in Obercunewalde.

Elzegrund: Seitentälchen, in dem ein kleiner Quellbach aus dem Südhang des Czorneboh bis zum Elzebach vordringt.

Freie Sorge: Urkundlich belegte, ab 1669 gängige Form der späteren Bezeichnung "Neue Sorge" für den Ortsteil zwischen Niederdorf und Mitteldorf. Rechtsseitig des Dorfbaches unterhalb vom Teichmühlteich gelegen. Nach und nach hat ein von Nostitz den Niederhof, den Mittelhof und den Oberhof von Vorbesitzern gekauft und vereinigt. Dabei schien ein kleiner Ortsbezirk ausgelassen worden zu sein, er war also von der Dorfherrschaft frei geblieben.

Frühlingsberg: Eine wohl erst nach 1900 entstandene Ansiedlung auf einem früheren, zum Pfarrlehn Cunewalde gehörigen Gelände oberhalb der Friedhöfe am Südzipfel der Flur Schönberg. Dieser sonnige Südhang, gegen kalte Nordostwinde durch das ostseits darüber liegende sogenannte Pfarrbüschel geschützt, zeichnet sich häufig durch besonders zeitiges Erblühen der Frühlingsblumen in den Hausgärten aus.

Funkenburg: Das Grundstück über dem Wohnhaus der Familie Bär, ehemals "Linkes Weg" hoch. Der Name beruht wohl auf einem Qurzfelsen, ungefähr 20m hoch und etwa 6m im Durchmesser. Der Fels wurde etwa 1885 abgebrochen und zum Bau von Kirchweg und Erlenweg verwendet. Der etwa 5m hohe Rest wurde 1919 gesprengt und zu Mühlsteinen verarbeitet.

Galgenberg: Der oberste Rand der Feldflur von Obercunewalde Neudorf an der Grenze zu Feldflur Lauba. Hier liegt ein noch unbehauener großer Granitblock, auf den in eine leichte Vertiefung die Jahreszahl 1609 eingemeißelt ist. 1609 ist das erste Pestjahr des 17. Jahrhunderts gewesen. Es ist denkbar, dass hier also einer der Pestfriedhöfe des Cunewalder Tales gewesen ist. Das würde freilich den Galgenberg nicht erklären, da in alter Zeit auch schwere Delikte von den herrschaftlichen Gerichten der Dörfer abgeurteilt werden konnten. Erst nach 1660 war dafür allein das Schlossgericht zu Budissin zuständig. Demnach könnte die Zahl 1609 auch auf eine hier gewesene Richtstätte, eben einen Galgen, hindeuten.

Gänseborn: Eine sicher sehr alte Bezeichnung für das kleine Quellteichel in der Feld- und Wiesenflur zwischen der Fahrwegekreuzung Dreilinden und Elzewiesen. Bekanntheit erlangt durch das Haltung von Gänsen vor 1900.

Gänsedreckelberg: Ein im Fußgängerverkehr stets benutzter Abkürzungsweg um den Straßenbogen zwischen der Gaststätte "Blaue Kugel" und der alten "Mitteldorfschule". Hier soll es früher immer sehr viele Gänse gegeben haben. Die kleine Erhebung dürfte einst Hauptweg bzw. Straße gewesen sein, denn die heutige Straßenführung zeigt eindeutig Geländeabtrag auf.

Gehege: Die alte Bezeichnung für ein Laubwaldgehölz, das sich außerhalb der "Schanze" um den alten Oberhof am Polenzpark bis zum alten Fahrweg Oberschenke nach Dreilinden erstreckt. Ungefähr 1 Hektar groß. Ab etwa 1947 wurde die Fläche des einstigen Geheges vom Baumbestand geräumt und in eine sehr gefällige Kleingartenanlage umgewandelt.

Gericht: Das Stück mit dieser Bezeichnung liegt auf der Höhe der Straße nach dem Zieglertal und gehörte früher einmal zum Grundbesitz des alten Erbgerichtes.

Gerichtsweg: Ein erst nach 1850 entstandener Flurname. Als aufgrund der sächsischen Verfassung von 1830 die Auflösung der früheren Patrimonialgerichtsbarkeit einsetzte, wurde alle Gerichtsbarkeit dem neugeschaffenen Amtsgericht Neusalza übertragen. Damit ergab sich die Notwendigkeit, bei jedem Wechsel im Besitz von Grundstücken vom Oberdorf zu Fuß in Richtung Beiersdorf und durch den Wald nach Neusalza zu gehen. Der Gerichtsweg begann am Anfang der Wußiggasse in Obercunewalde.

Graf-Mutscher-Platz: Es ist im Volksmund der Platz zwischen den ehemaligen Geschäften "Graf" und "Mutscher" sowie der "Weißen Mühle" in Niedercunewalde. Ab 1955 wurde dieser Platz auch "Platz der Jungen Pioniere" genannt.

Der Große Garten: Die westliche Seite der jetzigen "Friedensaue". Es war eine Anlage des Mittelhofes.

Guter Born: Ein klarer, schmackhafter Quell am oberen Sornßiger Weg.

Handwerksgasse: Hier gab es früher eine größere Anzahl an Handwerksbetrieben. Heute trägt dieser enge Häuserzug in Mittelcunewalde die Bezeichnung "Handwerkergasse".

Helle Wiese: Das war die vom Reiherteich bis in den Winkel vor der Preititzer Brücke gelegene, niedere Elzewiese.

Herrnsberg: Der waldbestandene Berg zwischen der Flur Schönberg und Eulowitz bzw. nördlich der Flur Weigsdorf-Köblitz. Der Name sollte wohl nur ausdrücken, dass der Berg ausschließlich den umliegenden Gutsherren gehörte. Besonders dem von Weigsdorf, aber auch anteilig dem von Crostau.

Hirsebüschel: Ein in Niedercunewalde befindliches, kleines und mit Bäumen und Sträuchern bewachsenes Flurstück westlich des Anfangs der Schönberger Straße.

Hoppeberg: Ein Rücken in Mittelcunewalde südlich der im gewundenen Taleinschnitt liegenden Häuser zwischen Dorfstraße und alter Eisenbahnlinie (heute Radweg). Auch ein Geländerücken in der Nähe des "Betonwerk Schuster" trug diese Bezeichnung.

Hoppehübel: Ein nach Süden abfallender Feldrücken beim Kalkofen. Der Hopfenanbau für die drei ehemaligen Gutsbrauereien ist viele Jahrhunderte bis etwa 1850 betrieben worden.

Hromadnik: Ein 514m hoher Berg mit sorbischer Bezeichnung, welche übersetzt etwa "Versammlungsberg" bedeutet. Er ist einer der Gipfel der westlichen Czornebohkette.

Huhberg: Im Jahre 1936 wurde der Berg "Bieleboh" von den Nationalsozialisten im Zuge der Germanisierung sorbischer Flurnamen in "Huhberg" umbenannt. Er bekam seinen Namen jedoch nach 1945 zurück.

Johannisborn: Ein aus ungeordnetem Granitgeröll unterm westlichen Hochsteinhang herausquellender Bornquell, der im Sommer oft versiegt.

Kalkofen: Der in einem Jahr benötigte Baukalk und Düngekalk wurde für Obercunewalde durch eigene Gespanne aus Kalkwerken bei Ludwigsdorf nördlich von Görlitz herangeholt. Um den Kalk brennen zu können, wurde ganz im Osten von Obercunewalde ein Kalkofen erbaut. Er wurde bis etwa 1850 betrieben.

Kaltes Flössel: Ein Bächlein aus Mittelcunewalder Flur kommend. Es speist das Cunewalder Bad und mündet beim ehemaligen Gemeindeamt in das Cunewalder Wasser.

Kiefernberg: Der am tiefsten in die Dorfflur vorspringende Ausläufer der Bielebohänge. Er liegt südlich des Ortsteiles "Peterdörfel".

Klärteich: Ein kleiner Teich in Obercunewalde unterhalb des Bleicheteiches. Im Jahre 1908 als Kläranlage des Bleichteichwassers angelegt.

Kleppermühle: Sie war eine ehemalige Mühle in Obercunewalde und zählt dennoch nicht zu den schon Jahrhunderte bestehenden Mühlen im Cunewalder Tal. Sie wurde erst nach 1880 errichtet. Ab etwa 1920 konnten sich solche Mühlen mit geringer Stauwasserkraft gegenüber den städtischen Großbetrieben nicht mehr halten. Die Umwandlung in einen Betrieb zur Herstellung von Blechwaren war die Folge. Später wurden Zelluloidwaren produziert. Mittlerweile wurde das gesamte Gebäude abgerissen.

Königsweg: Eine Wanderung von Klipphausen (Pflegeheim) nach dem Czornebohgipfel.

Kötschauer Berg: Der östlichste Gipfel der Bielebohkette (467m), auch Hufenberg genannt. An seiner Nordwestecke liegt Kötschau (Ortsteil von Kleindehsa). An seinem Westhang entspringt die oberste Quelle des Cunewalder Wassers.

Klippe: Der recht steile Südhang oberhalb der Reichenstraße in Niedercunewalde. Ein noch heute mit Bäumen bewachsenes Quarzriff.

Kriegels Lücke: Weil einer der domstiftlichen Bauern namens Kriegel im Mitteldorf die ziemlich ebenen Flächen seines Waldes gerodet hatte, bot sich beim Blick auf die bewaldete Kammlinie vom Hoppeberg aus eine auffällige Lücke. Daher rührt augenscheinlich dieser Flurname.

Kreuzsteine: Sie befinden sich an der Straße von Cunewalde nach Löbau, linkerhand kurz vor Halbau. Es sind zwei nur grob behauene Granitsäulen mit schwer deutbaren eingemeißelten Zeichen. Von den unterschiedlichsten, auf Morde bezogenen Sagen abgesehen, können die Kreuzsteine auch eine Kreuzung sehr alter Wegzüge für berittene Boten bezeichnet haben (der Schönberger Weg verlief von hier über Schönberg und Pielitz nach Budissin). Die Kreuzsteine können aber auch eine Gemarkungsgrenze gewesen sein zwischen der Obercunewalder Adelsherrschaft und dem Besitz des Löbauer Franziskanerklosters.

Kriegsweg: Der Anlass, diesen parallel zum Hang unterm Hochstein verlaufenden Weg zu bauen, war eine Notstandsmaßnahme während des Preußisch-Österreichischen Krieges im jahre 1866. Weil an Nutzholzabsatz im Kriege nicht zu denken war, sollten die Halbauer Waldarbeiter, um ihre Arbeit nicht zu verlieren, diesen Weg bauen und anlegen.

Kuhberg: So heißt der bewaldete Bergrücken östlich von "Kriegels Lücke" und westlich vom etwas tiefer liegenden "Bärsberg".

Kurze Seite: Die alte Bezeichnung für alle, sich im Oberdorf und Mitteldorf südlich der Dorfstraße befindlichen, bäuerlichen Feldstreifen. Sie waren nämlich viel kürzer als die nördlich gelegenen.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Cunewalder Talheimat, Heinz Lober, Torsten Hohlfeld