Meine Heimat

Weberei F.W. Kloss


Die wechselvolle Geschichte der Weberei von Friedrich Wilhelm Kloss

Im Jahre 1873 begann Friedrich Wilhelm Kloss (geboren am 02.11.1849) mit dem systematischen Aufbau eines Textilbetriebes. Zunächst baute er eine Ziegelei, weil die benötigten Rohmaterialien auf dem Grundbesitz des Vaters vorhanden waren. Mit den selbst gefertigten Ziegeln begann schließlich der Bau eines Websaales in Shed-Bauweise, eines dreistöckigen Gebäudes für Appretur, Spulerei, Treiberei, Andreherei, Schärerei, Rauherei sowie eines Kessel- und Maschinenhauses mit einer Dampfmaschine für die mechanischen Antriebe. Am 10. Februar 1875 erfolgte der Eintrag in das Handelsregister mit ihm als Inhaber. In weiteren Gebäuden fanden sich die Bleicherei und die Spinnerei. Parallel zur Textilfirma wurde weiterhin eine Landwirtschaft auf "Schusters Bauerngut" betrieben. Das spätere Hauptgebäude der Weberei wurde im Jahr 1896 in Cunewalde errichtet und die 1912 in Betreib genommene Ziegelei wurde 1916 zu einer Spinnerei umgebaut. Im Jahre 1899 erfolgte in Beiersdorf der Bau eines Zweigwerkes, welches allerdings nach dem Ersten Weltkrieg wieder verkauft wurde.

Friedrich Wilhelm Kloss starb 1926 und die Firma wurde als GmbH unter Leitung des Schwiegersohnes Friedrich Heinrich "Fritz" Strube weitergeführt. Er engagierte sich parallel auch stark als Vorsitzender des Kriegerehrenmal-Ausschusses von Cunewalde. Sein Neffe, der Diplom-Ingenieur Wilhelm Paul Heinrich Schuster, wurde 1931 zusammen mit dem Kaufmann Felix Herbert Doring zum Prokuristen bestellt. 1950 erwarb das Unternehmen "Josef Stolle, Mechanische Weberei Schirgiswalde" 62% der Geschäftsanteile. Neuer Geschäftsführer wurde der aus Bayern stammende Karl Böhm. Im Jahre 1953 verließ Josef Stolle die DDR und siedelte sich in der BRD an. Seine Anteile wurden Volkseigentum.

Im Jahre 1959 wurde eine staatliche Beteiligung aufgenommen, die "F.W. Kloss GmbH" in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt und die Anschaffung von 50 neuen Web- und Spulenautomaten finanziert. Das Unternehmen wurde dadurch entsprechend den damaligen gesetzlichen Regelungen halbstaatlich. 1972 erfolgte die Umwandlung in Volkseigentum mit der Firmenbezeichnung "VEB Textilwerke Cunewalde". Im Jahre 1975 wurde die Eingliederung in den "VEB Oberlausitzer Textilbetriebe Neugersdorf (Lautex), Betriebsteil Neusalza-Spremberg, Werk 5 Cunewalde" als Produktionsstätte 5.1 (zusammen mit der ehemaligen Firma August Hempel) vorgenommen. Die Produktpalette der Weberei "F.W. Kloss" und seiner Nachfolgefirmen reichte von Rolltüchern und Geschirrtüchern über Bettwäsche und Leibwäsche bis hin zu einfachen Markisen.


Mit dem Ende der DDR und nach der politischen Wende standen die Gebäude als Industriebrache leer. Viele Jahre später sollte jedoch wieder Leben einkehren an der Schönberger Straße 5a. Die Firma "Härtwig Maschinenbau GmbH & Co. KG" siedelte sich an gleicher Stelle an. Sie wurde in der heutigen Struktur am 01. September 2006 gegründet. Dabei wurden die Unternehmen "Härtwig Metall- und Blechverarbeitung" (seit 1998) und der "Gerätebau Härtwig" (seit 1992) zusammengeführt. Das mittlerweile firmeneigene Grundstück in Cunewalde wurde im Juli 2013 mit dem Neubau einer Produktionshalle um 2200 m² auf eine Gesamtproduktionsfläche von 5000 m² erweitert. Die "Härtwig Maschinenbau GmbH & Co. KG" ist heute ein leistungsstarkes mittelständisches Unternehmen der Metallbearbeitung und des Stahlbaus. Modernste Maschinen für die Blechbearbeitung erweitern die Fertigungskapazitäten. Zu den Kunden zählen Transportsystemausrüster der Automobilindustrie und Hersteller von Förderanlagen sowie Maschinenbaubetriebe.


Quellen: Staatsarchiv Dresden, Geschichte der Oberlausitzer Textilindustrie, Torsten Hohlfeld