Meine Heimat

Manfred Jeremies


Erinnerungen an Manfred Jeremies und sein großes, stilles Lebenswerk

Es war ein sehr trauriger Tag, dieser 13. Dezember 2017. Ohne erkennbaren Grund verstarb das Mitglied der Heimatfreunde Weigsdorf-Köblitz, Manfred Jeremies, ganz plötzlich und unerwartet. So unfassbar wie sein Fortgang, ist auch das große Lebenswerk, welches er schuf. An die bedeutendsten Werke seines Schaffens wollen wir, als ihm verbundene Heimatfreunde, an dieser Stelle erinnern.

Geboren am 6. Juni 1944 in Wilthen, war das Leben von Manfred Jeremies immer einfach und bescheiden. Zur Schule ging er in Weigsdorf-Köblitz. Während seiner Schulzeit entdeckte Manfred Jeremies seine Liebe zur Heimat und zur Natur. Ganz besonders interessierten ihn dabei die Gesteine. So entstand seine erste Sammlung. Im weiteren Verlauf traf er auf Menschen, die das Interesse zur Natur mit ihm teilten, sein Potenzial erkannten und förderten. Durch sein Wirken entstanden weitere Sammlungen auf dem Gebiet der Botanik, der Geologie, der Flechten und Moose und später der Schmetterlinge und Insekten. Im Jahr 1963 begann er ein Lehramtsstudium in Güstrow, wollte Biologie unterrichten. Während eines Praktikums stellte er fest, dass der Beruf des Lehrers nicht das ist, was ihn beruflich erfüllt. Er wechselte als wissenschaftlich technischer Assistent nach Groß-Lüsewitz. Hier konnte er seine Forschungen weiterführen und wissenschaftlich arbeiten.

Um sein theoretisches Wissen zu erweitern, lernte er noch einmal neben der Arbeit im Fernstudium und erlangte den Abschluss als Agrar-Ingenieur. Mit diesem Abschluss in den Händen, kehrte er in seine Heimat zurück. Eine Beschäftigung fand er im Staatlichen Pflanzenschutzamt in Kleinwelka, wo er die Überwachung von Schädlingen übernahm. Mit dieser Tätigkeit verband sich das berufliche Wirken mit seinem Interesse für Insekten. Das Leben und die Verbreitung von Insekten beschäftigten ihn auch in seiner Freizeit. Sein Spezialgebiet waren die Zweiflügler, vor allem die Bremsen. Um sein Wissen auf dem neuesten Stand zu haben, gehörte für 
Manfred Jeremies das Lesen von Fachliteratur dazu. In der DDR gab es auf diesem Gebiet keine nennenswerten Veröffentlichungen. Fachbücher, die für Manfred Jeremies wichtig waren, gab es nur in der damaligen CSSR. Um diese lesen zu können, lernte er die tschechische Sprache. So gerüstet, stellte er den Kontakt mit Experten in Tschechien und der Slowakei her. Als die politische Wende viele Veränderungen mit sich brachte, wurde das staatliche Pflanzenschutzamt geschlossen. Manfred Jeremies wurde schließlich arbeitslos.

Mit seinem umfangreichen Fachwissen und seinen Erfahrungen fand er zu Beginn der 1990er Jahre im staatlichen Umweltfachamt eine neue Beschäftigung, wirkte hier in der Abteilung Naturschutz. Auf botanischen und geologischen Exkursionen erkundete er die Heimat. Noch einmal musste Manfred Jeremies sich beruflich verändern. Mit der Kreisreform wurde das Umweltfachamt aufgelöst und die Beschäftigten auf die Landratsämter aufgeteilt. Die letzten Arbeitsjahre bis zu seinem Rentenbeginn war er in Görlitz tätig. Auch hier gehörte der Naturschutz zu seinem Aufgabengebiet. Doch auch neben seiner Arbeit gehörte der Natur und der Heimat seine ganze Aufmerksamkeit. 
Manfred Jeremies war viele Jahre Mitglied im Verein "Sächsischer Heimatschutz", in der Ortsgruppe Cunewalde. In der naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz leitete Manfred Jeremies die Fachgruppe Geologie. Seine Forschungen und seine Erkenntnisse brachte er zu Papier. Schon zu DDR-Zeiten erschienen seine Artikel in Fachzeitschriften und der Fachliteratur. Auf Kongressen war er ein angesehener Gesprächspartner für alle. Zu DDR-Zeiten führten ihn seine Reisen immer wieder in die Sowjetunion und die CSSR. Bei allen Spaziergängen und Exkursionen gewann er neue Erkenntnisse.

Später entdeckte er das Gebiet der Pilze für sich. Manfred Jeremies wäre nicht er gewesen, wenn er sich nicht auch in dieses Fachgebiet intensiv eingearbeitet hätte. Er suchte den Kontakt zu Pilzberatern, besuchte aus wissenschaftlichem Interesse deren Weiterbildungen. Interessiert an der Geschichte der Oberlausitz, entdeckte er auch die Archäologie für sich. So nahm er an Tagungen der archäologischen Gesellschaft teil. Auf so vielen Gebieten belesen und über ein umfangreiches Wissen verfügend, war Manfred Jeremies für alle ein guter Gesprächspartner. Zu allen Zeiten seiner Heimat sehr verbunden, pflegte er seine Kontakte nach Tschechien und versuchte diese ständig auch zu erweitern. Seine Teilnahmen an Tagungen waren ein Podium dafür. Bei diesen Gelegenheiten machte er auch Cunewalde über die Ortsgrenzen hinaus bekannt.

Seit vielen Jahren engagierte sich Manfred Jeremies auch bei den örtlichen Heimatfreunden Weigsdorf-Köblitz. Kaum ein Treffen ließ er aus, brachte ständig neue Erkenntnisse zur Ortsgeschichte ein. So gingen zum Beispiel die Anfänge der Besiedlung im heimatlichen Ort oder verschiedene Funde von Tonscherben auf ihn zurück. Die Ausfertigungen zur Ortsgeschichte werden wohl noch Generationen nach ihm Bestand haben. Bei organisierten Veranstaltungen wie den Bahnhofsfesten oder Tagen der offenen Türen der Heimatfreunde beteiligte er sich immer in besonderem Maße. Seine Geburtstage, vor allem die runden, waren stets etwas ganz Besonderes. Manfred Jeremies feierte diese mit seinen Freunden. Dabei sorgte er selbst dafür, dass alle sich wohlfühlten. Eine tschechische Kapelle spielte Volkslieder und bekannte Melodien, zu denen er tanzte. Dabei trug er stets an die Folklore angelehnte Kleidung. Gern mochte er russische Volkslieder. Die Melodien berührten besonders sein Herz. Sich für die russische Kultur interessierend, nahm 
Manfred Jeremies den Kontakt zum Verein "Majak" auf. Hier organisierte er Veranstaltungen. Als die Mitglieder von "Majak" zu seinem Geburtstag für ihn tanzten, freute er sich sehr. Den Ländern Osteuropas galt vor allem sein Interesse. Im Jahr 2014 war Manfred Jeremies der Initiator einer Orchideen-Exkursion durch Estland. Er bereitete diese Reise akribisch vor, und schuf so für alle Teilnehmer ein ganz besonders nachhaltiges Erlebnis.

Manfred Jeremies hatte aber auch noch viele Pläne und Ziele. Für seine Ausstellung in der „Kleenen Schänke“ hatte er weitere Ideen, wollte mit der geologischen Fachgruppe weitere Projekte in Angriff nehmen. Doch werden diese Pläne nun vermutlich für immer Pläne bleiben. Denn am 13. Dezember 2017, als Manfred Jeremies wie so oft vom Brötchen holen kam, hörte plötzlich sein Herz auf zu schlagen. An diesem Tag blieb die Lebensuhr eines geachteten und geschätzten Mitmenschen für immer stehen. Er hat uns verlassen, um nie mehr heim zu kehren. Seine Tätigkeitsfelder, ob 
beruflich oder privat, weisen nun eine große, kaum überwindbare Lücke auf. Die Heimatfreunde aus seinem Weigsdorf-Köblitz und die Interessengemeinschaft Geschichtliches Cunewalde werden Manfred Jeremies und sein Lebenswerk in stetiger, respektvoller und guter Erinnerung behalten.

Quellen: Ortschronik Cunewalde, Czorneboh-Bieleboh-Zeitung, Torsten Hohlfeld